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	<description>Werte sind nicht neutral</description>
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		<title>Christenverfolgung: Mehr als nur Streit um ein Wort</title>
		<link>http://moralblog.de/2012/02/04/christenverfolgung-mehr-als-nur-streit-um-ein-wort/</link>
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		<pubDate>Sat, 04 Feb 2012 08:19:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stollmeier</dc:creator>
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Die Zahl der in Nigeria von der muslimischen Sekte Boko Haram ermordeten Christen ist inzwischen vierstellig. Die Ankündigung der Sekte, alle Christen in Nigeria zu töten, gilt Beobachtern wie dem katholischen Philosophen Josef Bordat als hinreichend, um eine Christenverfolgung zu erkennen. Thomas Seiterich sieht es in Publik-Forum anders: Es gehe um Verteilungskämpfe – die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<p>Die Zahl der in Nigeria von der muslimischen Sekte Boko Haram ermordeten Christen ist inzwischen vierstellig. Die Ankündigung der Sekte, alle Christen in Nigeria zu töten, gilt <a title="Josef Bordat, &quot;Von Tätern und Opfern&quot;" href="http://networkedblogs.com/tntzW" target="_blank">Beobachtern wie dem katholischen Philosophen Josef Bordat</a> als hinreichend, um eine Christenverfolgung zu erkennen.<a title="Artikel von Thomas Seiterich in Publik-Forum" href="http://www.publik-forum.de/religion-kirchen/artikel/toedliche-saat-online/1" target="_blank"> Thomas Seiterich sieht es in Publik-Forum anders: Es gehe um Verteilungskämpfe – die Religion sei nicht die Ursache des Mordens.</a> Deckungsgleich argumentiert <a title="Wikipedia-Artikel über Ruprecht Polenz MdB" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ruprecht_Polenz" target="_blank">Ruprecht Polenz (CDU), immerhin Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages</a>.</p>
<p><a title="Seite 2 von Seiterichs Artikel mit der angesprochenen Gegenüberstellung" href="http://www.publik-forum.de/religion-kirchen/artikel/toedliche-saat-online/2" target="_blank">Während Seiterich den Boko-Haram-Massenmorden eine Gebetskampagne von Open Doors für Christen in Ägypten gegenüberstellt und den Eindruck begünstigt, er bewerte beides gleich</a>, verdient der Außenpolitiker Polenz, dass man ihn ernst nimmt – und mit ihm sein Argument, das letztlich lautet: Die Bezeichnung „Christenverfolgung“ lenkt von den Ursachen ab.</p>
<p>Bei näherem Hinsehen wird rasch klar: Die Opfer der Morde werden gezielt anhand ihrer Religion ausgewählt. Diese Menschen werden ermordet wegen des Glaubens, den sie mit Josef Bordat, Ruprecht Polenz und Thomas Seiterich gemeinsam haben. Und sie sind unschuldig: Es gibt keine Belege dafür, dass die christlichen Opfer ihrerseits vergleichbare Gewalt angewendet hätten, insbesondere nicht als Angreifer. Insofern ist es zweifellos eine Christenverfolgung.</p>
<p>Der Grund allerdings, aus dem die Mörder zur Waffe greifen, ist wohl nicht religiöser Art. Hinzu kommt, dass Boko Haram auch friedfertige Muslime ermordet. Deshalb ist es sozusagen keine dogmatische Christenverfolgung. Das ist insofern eine gute Nachricht, als man dann, wenigstens langfristig, etwas machen kann. Es ist bedeutsam, ob die Mörder sich zu Recht oder zu Unrecht auf den Koran berufen (in diesem Fall mit Sicherheit zu Unrecht), denn dann haben sie eine Wahl.</p>
<p>„Wenn wir diese schrecklichen Taten auf ihre religiöse Komponente reduzieren“, warnt Ruprecht Polenz im Dialog mit Moralblog, „dann gießen wir Öl ins Feuer, statt den bedrohten Christen zu helfen.“ Gefragt, wie man helfen kann, macht er auf die völkerrechtlichen Voraussetzungen aufmerksam: „Hier ist erstens die Regierung in Nigeria und zweitens die Afrikanische Union gefordert. Effektiver Schutz durch Intervention von außen würde neben einer entsprechenden Anforderung durch die nigerianische Regierung ein Mandat der UN voraussetzen.“</p>
<p>Zugegeben: Man kann nicht einfach ein Kanonenboot hinschicken. Aber man könnte das Gespräch suchen, in diesem Fall zunächst mit der nigerianischen Regierung und der Afrikanischen Union. Nähere Auskünfte gibt Polenz dazu nicht: „Die Bundesregierung legt nicht die Hände in den Schoß. Aber erfolgreiche Außenpolitik ist meistens diskret. Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel besucht in diesen Tagen Nairobi. Ich bin sicher, dass er die richtigen Worte findet und auch Konsequenzen deutlich macht.“</p>
<p>Politiker können mehr tun als Normalbürger, gerade deshalb aber dürfen sie oft weniger sagen. Das muss man ihnen zugestehen. Wie ist es aber mit den Normalbürgern selbst, und wie mit Journalisten? Gerade Journalisten verstehen sich ja oft nicht nur als Überbringer von Nachrichten, sondern auch als Erklärer, manchmal gar als Mahner und Warner. Und so ungern sie es hören: Ihr Schreiben hat Folgen. Immer.</p>
<p>Das heißt: Wenn ein Außenpolitiker wie Ruprecht Polenz vor dem Ausdruck „Christenverfolgung“ warnt, kann er dahinter wertvollen Einsatz zugunsten der Verfolgten verbergen. Wenn aber ein Journalist wie Thomas Seiterich, noch dazu in einem christlichen Magazin, die Christen gleichsam zu Mitschuldigen erklärt, dann signalisiert er damit, hoffentlich aus Versehen, dass man diese Glaubensgeschwister im Stich lassen darf.</p>
<p>In einem Punkt hat sogar Thomas Seiterich recht: Es wäre schrecklich, wenn sich Gesellschaft und Normalbürger bei uns durch das Unrecht, das Christen anderswo widerfährt, dazu verleiten ließen, in unserem Lande Muslimen und anderen Andersgläubigen ihrerseits Unrecht zuzufügen.</p>
<p>Was aber können wir christlichen Normalbürger tun? Erstens Briefe schreiben an die Frauen und Männer, die uns in den Parlamenten vertreten. Bundestags- und Landtagsabgeordnete sind daran interessiert, was ihren Wählern wichtig ist. Und wenn genügend Wähler schreiben, dass sie Anteil nehmen am Schicksal der Christen in Nigeria, Ägypten oder Nordkorea, dann wird das auch Politiker ermutigen, sich für diese Christen einzusetzen.</p>
<p>Zweitens beten, und zwar öffentlich. Das ist ernst gemeint,  weil das Gebet nicht nur Ausdruck dessen ist, was wir mit den Verfolgten gemeinsam haben, und nicht nur, weil der barmherzige Gott tatsächlich zuhören wird. Sondern auch, weil volle Kirchen eine Botschaft an die Menschen sind, und der Kirchgang, noch vor einer Generation Ausdruck von Anpassung, zu einer Demonstration des Glaubens, des Mutes und der Individualität geworden ist &#8211; und zu einer Demonstration der Solidarität mit den verfolgten Christen werden kann.</p>
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		<title>Das Scherbengericht von Duisburg</title>
		<link>http://moralblog.de/2012/01/28/das-scherbengericht-von-duisburg/</link>
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		<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 13:55:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stollmeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Abwahl]]></category>
		<category><![CDATA[Adolf Sauerland]]></category>
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		<category><![CDATA[Loveparade]]></category>
		<category><![CDATA[Neuanfang für Duisburg]]></category>

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		<description><![CDATA[STANDPUNKT
Am 12. Februar richten sich alle Augen auf Duisburg. Denn am 12. Februar ist in Duisburg „Abwahl.“ Die Wählerinnen und Wähler entscheiden darüber, ob Oberbürgermeister Adolf Sauerland vorzeitig aus dem Amt scheiden muss. Und ich darf mitwählen. Ich weiß noch nicht, was ich tun werde.
 
Abwahlkampfplakat an der Osteinfahrt des Tunnels Karl-Lehr-Straße, Duisburg. Bild: Caroline [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>STANDPUNKT</p>
<p>Am 12. Februar richten sich alle Augen auf <a title="Webpräsenz der Stadt Duisburg" href="http://www.duisburg.de/" target="_blank">Duisburg</a>. Denn <a title="Offizielle Information auf der Webpräsenz der Stadt Duisburg" href="http://www.duisburg.de/news/102010100000376377.php" target="_blank">am 12. Februar ist in Duisburg „Abwahl.“</a> Die Wählerinnen und Wähler entscheiden darüber, ob Oberbürgermeister<a title="Wikipedia-Artikel über Adolf Sauerland" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Adolf_Sauerland" target="_blank"> Adolf Sauerland</a> vorzeitig aus dem Amt scheiden muss. Und ich darf mitwählen. Ich weiß noch nicht, was ich tun werde.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://moralblog.de/wp-content/uploads/Tunnel-01_klein.jpg"><img class="size-medium wp-image-1175 aligncenter" title="Tunnel 01_klein" src="http://moralblog.de/wp-content/uploads/Tunnel-01_klein-300x225.jpg" alt="Abwahlkampfplakat an der Osteinfahrt des Tunnes Karl-Lehr-Straße, Duisburg" width="300" height="225" /></a><em> </em></p>
<p style="text-align: center;"><em>Abwahlkampfplakat an der Osteinfahrt des Tunnels Karl-Lehr-Straße, Duisburg. Bild: Caroline Stollmeier</em></p>
<p>Bin ich moralisch verpflichtet, für die Abwahl zu stimmen? Zwingt mich die Achtung für die 21 Todesopfer der <a title="Wikipedia-Artikel über das Loveparade-Unglück" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ungl%C3%BCck_bei_der_Loveparade_2010" target="_blank">Loveparade-Katastrophe</a> dazu? Die Initiatoren der Abwahl vom „<a title="Webpräsenz des Neuanfangs für Duisburg" href="http://www.neuanfang-fuer-duisburg.de/" target="_blank">Neuanfang für Duisburg</a>“ scheinen das zu glauben, und zu ihnen gehören redliche Menschen wie die Bundestagsabgeordnete <a title="Biografie von Bärbel Bas MdB auf der Weppräsenz des Deutschen Bundestages" href="http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/biografien/B/bas_baerbel.html" target="_blank">Bärbel Bas</a> und <a title="Wikipedia-Artikel über Josef Krings" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Krings" target="_blank">Alt-Oberbürgermeister Josef Krings</a>. Aber haben sie Recht?</p>
<p>Einerseits ist die Katastrophe selbst nicht das Werk des Oberbürgermeisters. Wahrscheinlich hätte er sie nicht einmal verhindern können. Und ich halte es für unbestreitbar, dass er insgesamt viel für Duisburg getan hat: Bis zur Loveparade war seine Bilanz gut. Andererseits hätte auch ich mir nach der Katastrophe einen Oberbürgermeister gewünscht, der die richtigen Worte findet und unangemessene vermeidet – und das ist Adolf Sauerland seinerzeit nicht gelungen.</p>
<p>Es ist deswegen trotz meiner CDU-Mitgliedschaft gut möglich, dass ich bei einer regulären Oberbürgermeisterwahl nicht Adolf Sauerland wähle, weil ich finde, dass ein anderer Kandidat besser für das Amt geeignet ist. Aber bei der Abwahl am 12. Februar gibt es ja keinen anderen Kandidaten. Eine OB-Abwahl am 12. Februar würde nicht bedeuten, dass Adolf Sauerland schlechter geeignet ist als ein anderer Kandidat. Sie würde bedeuten, dass er schlechter geeignet ist als <em>jeder</em> andere <em>vorstellbare</em> Kandidat – und wenn es <a title="Wikipedia-Artikel über die Filmkomödie &quot;Horst Schlämmer - isch kandidiere&quot;" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Schl%C3%A4mmer_%E2%80%93_Isch_kandidiere!" target="_blank">Horst Schlämmer</a> wäre.</p>
<p>Eine solche Abstimmung ist ein Scherbengericht. Gerecht ist sie jedenfalls nicht.</p>
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		</item>
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		<title>Soll ich heute einen Hund bei Zajac kaufen?</title>
		<link>http://moralblog.de/2012/01/20/soll-ich-heute-einen-hund-bei-zajac-kaufen/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 13:18:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Caroline Stollmeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[STANDPUNKT
Heute Vormittag hat endlich der Hundeverkauf bei Zoo Zajac in Duisburg-Neumühl begonnen. Der Parkplatz ist nicht übermäßig voll, aber einige Ü-Wagen kann ich ausmachen. Bereits im Eingangsbereich des nach eigenen Angaben größten Zoofachhandels der Welt werde ich von mehreren Sicherheitsleuten und Angestellten begrüßt. „Zu den Hunden gehen Sie einfach den Gang bis zum Ende und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>STANDPUNKT</p>
<p>Heute Vormittag hat endlich der Hundeverkauf bei <a title="Zoo Zajac" href="http://www.zajac.de/" target="_blank">Zoo Zajac in Duisburg-Neumühl</a> begonnen. Der Parkplatz ist nicht übermäßig voll, aber einige Ü-Wagen kann ich ausmachen. Bereits im Eingangsbereich des nach eigenen Angaben größten Zoofachhandels der Welt werde ich von mehreren Sicherheitsleuten und Angestellten begrüßt. „Zu den Hunden gehen Sie einfach den Gang bis zum Ende und dann links“, erhalte ich freundlich Auskunft.</p>
<p>Bis ich mich durch die Traube von Journalisten in die erste Reihe vor die Gehege gedrängelt habe, dauert es ein paar Minuten. Hinter der Glasscheibe sitzt eine Tierpflegerin und spielt unaufgeregt mit niedlich tollenden Dackelwelpen herum. Eine Journalistin spricht mich an: „Sind Sie aus privatem Interesse hier? Möchten Sie einen Hund kaufen?“ Ich höre, wie Inhaber Norbert Zajac unter Scheinwerferlicht in eine der Kameras spricht: „Bei diesem Medienrummel haben die Endverbraucher bestimmt Lampenfieber. Aber ab morgen rechne ich mit den ersten Verkäufen…“</p>
<p>Tierschützer haben seit gut einem Jahr versucht, die Aufnahme von Welpen in das Sortiment des Zoohandels zu verhindern. Es ist in Deutschland zwar nicht verboten, diese Tiere im Geschäft zu verkaufen, aber bisher war es unüblich. Wer ein Hund als Haustier haben wollte, musste sich direkt an einen Züchter oder ein Tierheim wenden.</p>
<p>Die Kritik an Zajac bezieht sich auf die Art, wie die Tiere in seinem Geschäft betreut werden. Außerdem gibt es noch den allgemeinen Vorwurf, dass er mit einer Kommerzialisierung des Welpenhandels zur „Überproduktion“ von Haustieren beiträgt. Die Tierheime sind doch wahrlich voll genug! Diesen konstruierten Zusammenhang finde ich nicht überzeugend.</p>
<p><a title="Zajacs Stellungnahme zum Welpenverkauf" href="http://www.zajac.de/hundeverkauf/" target="_blank">Norbert Zajac begegnet allen Vorwürfen der Tierschützer gelassen und selbstbewusst. </a>Seine Tierpfleger und Tierärztinnen sind rund um die Uhr auf Abruf für die Tiere da, die Gehege sind größer, als sie sein müssten. Er wählt die Züchter und Familien, aus denen seine Hunde kommen, sorgfältig aus. Beispielsweise achtet er streng darauf, keine Tiere aus Massenzucht anzubieten. Bei der Beratung und Nachbetreuung von Käufern arbeitet Zajac mit Tierschutzorganisationen zusammen. Und spontane Mitleidskäufe schließt er unter anderem aufgrund der relativ hohen Verkaufspreise aus. Das habe ich alles bereits im Vorfeld gelesen. Und es klingt konsequent. Auch jetzt, als er die ewig gleichen Fragen der Journalisten geduldig beantwortet, wirkt er nicht so, als wäre er bei bestimmten Themen verlegen oder würde versuchen etwas zu beschönigen.</p>
<p>Der bereits etablierte Verkauf von Katzen bei Zoo Zajac ist ein Indiz, dass auch der Hundeverkauf ein Erfolg werden wird. Zajac bedient eine ungeheuere Nachfrage. Er tut glaubhaft vieles dafür, die Tiere in seinem Geschäft gut zu betreuen und schnell in verantwortungsvolle Hände zu übergeben.</p>
<p>Die <a title="PeTAs Standpunkt zu Haustieren" href="http://www.peta.de/web/tierische.184.html" target="_blank">Tierschutzorganisation PeTA</a>, die maßgeblich hinter den Protesten gegen Zajac steht, geht über die Kritik am Tierverkauf im Zoohandel hinaus und kritisiert das Halten von Haustieren grundsätzlich: „Selbst Menschen, denen etwas an Tieren liegt, sind oft nicht imstande, die vielen Bedürfnisse eines Tieres zu erkennen oder zu erfüllen. Domestizierte Tiere sind in einer sehr zwiespältigen Lage: sie können nicht mehr auf sich alleine gestellt überleben, haben jedoch noch viele ihrer Grundinstinkte und -antriebe behalten. Sie werden gewöhnlich von ihren natürlichen Herden oder Rudeln getrennt, ihre Körper und Seelen sehnen sich danach umherzustreifen, aber aus Sicherheitsgründen werden sie im Haus oder Garten gehalten, sind immer abhängig von ihren Haltern, selbst für einen Schluck Wasser oder einen Happen zu Essen oder für etwas sozialen Kontakt. Solange Menschen Tiere als Spielzeug, Besitztum oder Ware ansehen anstatt als lebende Individuen mit Gefühlen, Familien und Freundschaften, werden die vielen Fälle von Vernachlässigung und Missbrauch nicht aufhören.“ Und weiter: „Menschen, die die Zeit, das Geld, die Liebe und die Geduld aufbringen, um die lebenslange Verpflichtung für ein Tier zu übernehmen, können wirklich helfen, indem sie ein solches Tier aus dem Tierheim aufnehmen oder einem streunenden Tier von der Straße ein gutes Zuhause geben.“</p>
<p>Viele Menschen wollen Haustiere haben. Und sie haben viele &#8211; manchmal auch gute – Gründe dafür diese nicht aus einem Tierheim oder von der Straße zu holen. Auch, wenn sie Tiere mögen. Und auch, wenn sie wissen, dass die Tierheime voll sind. Diese Menschen wenden sich in der Regel an Züchter.</p>
<p>Ich kann nicht beurteilen, wie Tiere bei Züchtern behandelt werden. Bestimmt gibt es da große Bandbreiten. Kontrolliert werden können Züchter nur schwer, insbesondere, wenn sie privat oder im Ausland sind. Und tun Züchter mit Tieren, die nicht verkauft werden können, die nicht gesund sind oder die nicht den Schönheitsidealen entsprechen?</p>
<p>Bei Zajac ist alles irgendwie öffentlich. Der Inhaber lädt alle Interessierten ein, sich seine Verkaufsräume, die Unterbringung seiner Tiere und den Umgang mit diesen genau anzusehen. Ladenhüter gibt es nicht, wie Zajac selbst sagt. Und den Tierschützern bietet er immer wieder Gespräche an, worauf diese nicht immer eingehen.</p>
<p>Wer ein Haustier haben möchte, der sollte sich grundsätzlich seiner Verantwortung bewusst sein, sich gut beraten lassen und auch nicht leichtfertig bei der Wahl der Bezugsquelle sein. Mein Eindruck ist, dass man bei Zajac gut und auch kritisch beraten wird. Zajacs Argument, dass der Verkauf von gesunden Tieren die wichtigste Werbung für sein Geschäft ist, finde ich  im Übrigen einleuchtend.</p>
<p>Seit gut einem Jahr verfolge ich die Proteste gegen Zajac. Bisher habe ich kein stichhaltiges Argument dagegen gefunden, Hunde (oder andere Tiere) ausgerechnet bei Zajac zu kaufen. Mein Eindruck ist, dass es viel schneller auffallen würde, wenn es den Tieren bei Zajac schlechter ginge als beispielsweise bei Züchtern. Und als Käufer entscheide letztlich nur ich, wo ich mein Haustier kaufe und zu welchen Bedingungen. Der Journalistin, die mich heute angesprochen hat, habe ich aber gesagt: „Nein, ich möchte grundsätzlich keine Haustiere haben.“ Denn das ist aus meiner Sicht der beste Tierschutz.</p>
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;">
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1157" title="Welpenverkauf bei Zoo Zajac " src="http://moralblog.de/wp-content/uploads/Zajac-20012012-01-300x225.jpg" alt="Welpenverkauf bei Zoo Zajac " width="300" height="225" /></p>
<p style="text-align: center;"><em>Am 20. Januar hat der Hundewelpenverkauf bei Zoo Zajac in Duisburg-Neumühl begonnen</em>.</p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1158" title="Welpenverkauf bei Zoo Zajac" src="http://moralblog.de/wp-content/uploads/Zajac-20012012-02-300x225.jpg" alt="Welpenverkauf bei Zoo Zajac" width="300" height="225" /></p>
<p style="text-align: center;"><em>Journalisten belagern die neue Hundeanlage.</em></p>
<p style="text-align: center;"><img class="aligncenter size-medium wp-image-1159" title="Norbert Zajac im Interview zum Welpenverkauf" src="http://moralblog.de/wp-content/uploads/Zajac-20012012-03-300x225.jpg" alt="Norbert Zajac im Interview zum Welpenverkauf" width="300" height="225" /></p>
<p style="text-align: center;"><em>Inhaber Norbert Zajac gibt zahlreiche Interviews.</em></p>
<p style="text-align: center;"><em>(Fotos: Caroline Stollmeier)</em></p>
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		<title>Kirche und Staat: Besser trennen?</title>
		<link>http://moralblog.de/2012/01/15/kirche-und-staat-besser-trennen/</link>
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		<pubDate>Sun, 15 Jan 2012 13:45:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stollmeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Unschuldige Kinder]]></category>

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		<description><![CDATA[KOMMENTAR
Vor wenigen Wochen legte Kardinal Meisner dem Bundespräsidenten nahe zurückzutreten. Vor wenigen Tagen erklärte Bundestagspräsident Lammert, der derzeitige Papst stehe einer notwendigen Kirchenreform im Wege. Kein Zweifel: Für beide gilt die Meinungsfreiheit. Beide durften das. Trotzdem finde ich, dass beide Aussagen die Grenze zwischen Kirche und Staat überschreiten.
Nun gut: In der Bundesrepublik Deutschland sind Kirche [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>KOMMENTAR</p>
<p>Vor wenigen Wochen <a title="WDR-Meldung zur Meisner-Aussage" href="http://www1.wdr.de/themen/infokompakt/nachrichten/nrwkompakt/nrwkompakt2406.html" target="_blank">legte Kardinal Meisner dem Bundespräsidenten nahe zurückzutreten.</a> Vor wenigen Tagen <a title="Hamburger Abendblatt: Bericht zum Lammert-Vortrag" href="http://www.abendblatt.de/politik/ausland/article2155270/Lammert-hofft-auf-einen-Papst-aus-Uebersee.html" target="_blank">erklärte Bundestagspräsident Lammert, der derzeitige Papst stehe einer notwendigen Kirchenreform im Wege.</a> Kein Zweifel: Für beide gilt die Meinungsfreiheit. Beide durften das. Trotzdem finde ich, dass beide Aussagen die Grenze zwischen Kirche und Staat überschreiten.</p>
<p>Nun gut: In der Bundesrepublik Deutschland sind Kirche und Staat nicht sauber getrennt. Auf manchen Gebieten herrscht Partnerschaft, auf anderen Arbeitsteilung. Aber gerade wenn man diese Partnerschaft erhalten möchte, sind alle Beteiligten gut beraten, mit Einmischungen in die Tätigkeit der jeweils anderen Institution sparsam zu sein.</p>
<p><a title="Predigt von Kardinal Meisner zum Fest der Unschuldigen Kinder 2011" href="http://www.erzbistum-koeln.de/export/sites/erzbistum/dokumente/erzbischof/predigten/jcm_pr_111228_unschuldige-kinder.pdf" target="_blank">Wenn der Erzbischof von Köln öffentlich, idealerweise in einer Predigt, die deutsche Gesetzgebung zum Schutz ungeborener Kinder als ungenügend kritisiert</a>, dann tut er das nicht als Privatperson, sondern als Repräsentant der Kirche und Beauftragter Gottes. Und dann ist diese öffentliche Kritik sowohl inhaltlich als auch formal seine Aufgabe, für deren Wahrnehmung ich ihm als katholischer Christ dankbar bin.</p>
<p><a title="Wikipedia-Artikel zu Norbert Lammert" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Lammert" target="_blank">Wenn der Bundestagspräsident Papst Benedikt XVI. im Bundestag mit der Anrede „Heiliger Vater“ begrüßt</a>, dann tut er das nicht als Privatperson, sondern als Repräsentant des Deutschen Bundestages und Beauftragter des deutschen Volkes. Und als Bürger bin ich ihm dankbar für diese Dokumentation guten Benehmens stellvertretend für uns alle .</p>
<p>Wenn der Erzbischof von Köln öffentlich über die Eignung von Christian Wulff für das höchste Staatsamt spricht, tut er das als Wähler? Wenn der Bundestagspräsident öffentlich Kirchenreformen fordert, tut er das als Katholik? Können beide überhaupt als Privatpersonen öffentlich auftreten? Ich glaube nicht. Und deshalb sollten sie bei allem, was sie öffentlich tun, das Ende bedenken. Und beide können weder einen Staat wollen, dem die Kirche das Oberhaupt vorschreibt, noch eine Kirche, die sich vom Staat sagen lässt, was sie zu predigen hat.</p>
<p>Lasst uns dem Kaiser geben, was des Kaisers ist. Konsequent.</p>
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		<title>Weißt du schon was es wird?</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Jan 2012 20:34:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Caroline Stollmeier</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Oder: Der Klapperstorch und andere Irrtümer
KOMMENTAR
Wohl jeder kennt die eine oder andere Geschichte, die damit endet, dass der Klapperstorch die Babys bringt. Das geht dann in etwa so: Eine junge Frau wird vom Storch so feste ins Bein gebissen, dass sie sich hinlegen muss. Durch den Schornstein schlüpft dann Mister Adebar ins Haus und legt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;">Oder: Der Klapperstorch und andere Irrtümer</p>
<p style="text-align: left;">KOMMENTAR</p>
<p style="text-align: left;">Wohl jeder kennt die eine oder andere Geschichte, die damit endet, dass der Klapperstorch die Babys bringt. Das geht dann in etwa so: Eine junge Frau wird vom Storch so feste ins Bein gebissen, dass sie sich hinlegen muss. Durch den Schornstein schlüpft dann Mister Adebar ins Haus und legt im Bett der armen Gebissenen ein Baby ab.</p>
<p style="text-align: left;">Ich finde, Klapperstörche – genauer gesagt: Weißstörche – sind prachtvolle, elegante, sympathische Tiere. (Aber ich bin ja auch keine Maus und kein Frosch…) Kein Wunder also, dass man diesen Tieren besondere Fähigkeiten nachsagt. Woher die Geschichten vom Kinderbringen kommen, ist unklar. Nichtsdestotrotz halten sie sich haltnäckig und werden stets aufs Neue erzählt.</p>
<p style="text-align: left;">Auch viele Hebammen, Kreißsäle und Frauenarztpraxen zieren sich mit Störchen, die in ihren Schnäbeln bündelweise Babys herbei tragen. Das finde ich fast ein bisschen gemein, denn weder die beste Hebamme noch der gemütlichste Kreißsaal noch die fürsorglichste Frauenarztpraxis können einer Frau die Mühen und Schmerzen einer Entbindung vollständig ersparen, so wie es ja angeblich der Klapperstorch tut. Wenn schon jemand sich mit dem prachtvollen Storch gleichsetzt, dann sollten das doch eigentlich die Mütter tun, denn schließlich bringen sie in Wirklichkeit die Kind zur Welt.</p>
<p style="text-align: left;">In Europa sinkt die Zahl der Störche in ähnlicher Form wie die Reproduktionsrate der Menschen. „Dies ist jedoch kein Beleg dafür, dass der Storch die Babys bringt. Die gemeinsame Ursache sind die wirtschaftlichen und sozialen Änderungen in Europa. Intensivere landwirtschaftliche Techniken sowie verstärkter Siedlungs- und Straßenbau auf ehemals landwirtschaftlichen Flächen beeinträchtigen den Lebensraum der Störche“, entlarvt <a title="Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cum_hoc_ergo_propter_hoc#St.C3.B6rche.2C_Geburten_und_die_britische_K.C3.B6nigin" target="_blank">Wikipedia einen Logikfehler, der auch cum hoc ergo propter hoc</a> genannt wird. Bei zwei gleichzeitig auftretenden Ereignissen wird das eine zur Ursache und das andere zur Wirkung erklärt ohne, dass es eine zwingende Begründung dafür gibt.</p>
<p style="text-align: left;">Aber nicht nur die Störche sind in ihrem Bestand bedroht, sondern auch die Hebammen. Zumindest beklagen sie das regelmäßig. <a title="Moralblog berichtete..." href="http://moralblog.de/2011/03/22/mehr-kroten-fur-den-klapperstorch/" target="_blank">Gestiegene Beiträge zur Berufshaftpflichtversicherung und allgemein eine zu niedrige Entlohnung sind das Problem.</a> Die Störche haben viele Unterstützer. Der <a title="Storchenprojekt des NABU" href="http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/weissstorchbesenderung/" target="_blank">NABU</a> zum Beispiel, gibt sich größte Mühe, die Gewohnheiten von Weißstörchen zu ihrem Schutz zu erforschen und verfolgt ein paar von ihnen deshalb sogar per GPS oder Webcam. Für die Hebammen kämpfen vor allem die Hebammen. Wobei die Dokumentationen, die sie über ihre Arbeit erstellen müssen, inzwischen wahrscheinlich genauer sind als GPS-Signale.</p>
<p style="text-align: left;">Ach, und noch etwas Unerklärliches rund ums Kinderkriegen fällt mir gerade ein. Eine sichtbar Schwangere wird gefragt: „Und, weißt du schon was es wird?“  Eine alltägliche Begebenheit. Selbst mein Frauenarzt, an dem ich ansonsten nichts, aber auch gar nichts auszusetzen habe, sagt seinen neugierigen Patientinnen beim Ultraschall: „Es wird ein Mädchen“ oder „es wird ein Junge“. Ganz selbstverständlich.</p>
<p style="text-align: left;">Aber das ist ganz selbstverständlich Unsinn. Das Geschlecht des Babys ist bereits ganz am Anfang, zum Zeitpunkt der Befruchtung, genetisch festgelegt. Etwa in der 7. Schwangerschaftswoche beginnt dann allmählich die Ausbildung der Geschlechtsorgane.* Nicht viele Frauen bemerken vor diesem Zeitpunkt, dass sie schwanger sind. Und das alles passiert lange, lange bevor eine Schwangerschaft von außen sichtbar ist. Ein wenig mehr Sorgfalt bei der Wortwahl wäre also angebracht, finde ich. Was spricht dagegen zu fragen: „Weißt du schon, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist?“</p>
<p style="text-align: left;">Aber um noch einmal auf die Störche zurück zu kommen… Auch hier gibt es weitere Ungenauigkeiten. Weißstörche gelten als absolut treue Partner. Eine romantische Vorstellung. Sie sind es normalerweise auch – für eine Saison. Aber richtig treu sind sie in erster Linie ihrem Nistplatz. Jedes Frühjahr versuchen sie ihr altes Nest wieder zu beziehen. Gerne auch mit einem anderen Partner. Und ihre Küken werden extrem schnell selbstständig. Bereits nach wenigen Wochen begeben sie sich alleine auf ihre lange Flugreise von Europa nach Afrika, wo sie dann überwintern. Ich muss ja vom heutigen Standpunkt aus sagen, dass es gar nicht so schlimm ist, wenn die Kinder nicht allzu schnell flügge werden müssen. Insofern ist es also nicht schlimm, dass ich kein Storch bin. Auch wenn Störche elegant und sympathisch sind&#8230;</p>
<p style="text-align: left;">Mein Sohn ist erst vier Jahre alt. Sein Auf-die-Welt-kommen liegt noch nicht allzu lange zurück. Ich habe ihn gefragt: „Bringen Störche Babys?“ Er überlegt kurz und sagt dann: „Ja. Aber nur Tierbabys, weil Störche selber Tiere sind.“ Selbstverständlich. Das ist doch logisch.</p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><img class="size-medium wp-image-1129 alignnone" title="Weißstorch in Duisburg" src="http://moralblog.de/wp-content/uploads/Storch-224x300.jpg" alt="Weißstorch in Duisburg" width="224" height="300" /></p>
<p style="text-align: center;"><em><strong>(Weißstorch in Duisburg; Foto: Caroline Stollmeier)</strong></em></p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: left;">* Sadler, Thomas W./Langman, Jan: Medizinische Embryologie: die normale menschliche Entwicklung und ihre Fehlbildungen, 11. Aufl., Stuttgart, 2008, S. 323.</p>
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		<title>Sexuelle Gewalt: sind die Opfer mitschuldig?</title>
		<link>http://moralblog.de/2011/12/13/sexuelle-gewalt-sind-die-opfer-mitschuldig/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 06:55:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Caroline Stollmeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine sexuelle Belästigung, ein Missbrauch oder gar eine Vergewaltigung werden häufig nicht angezeigt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Nicht zuletzt bleiben solche Taten unbestraft, weil viele Opfer mit dem Vorwurf rechnen, sich mitschuldig gemacht zu haben.
„Die Opfer sind Opfer und nur Opfer“, macht die Kriminalhauptkommissarin Claudia Jacoby von der kriminalpolizeilichen Vorbeugungsdienststelle in Duisburg unmissverständlich klar. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine sexuelle Belästigung, ein Missbrauch oder gar eine Vergewaltigung werden häufig nicht angezeigt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Nicht zuletzt bleiben solche Taten unbestraft, weil viele Opfer mit dem Vorwurf rechnen, sich mitschuldig gemacht zu haben.</p>
<p>„Die Opfer sind Opfer und nur Opfer“, macht die <a title="Link zu Claudia Jacoby" href="http://www.polizei-nrw.de/duisburg/kriminalpraevention/gewalt/" target="_blank">Kriminalhauptkommissarin Claudia Jacoby von der kriminalpolizeilichen Vorbeugungsdienststelle in Duisburg </a>unmissverständlich klar. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Prävention von Gewalt gegen Frauen und Kinder. Außerdem kennt sie die Gründe, aufgrund derer ein Ausbruch von sexueller Gewalt nicht zur Anzeige gebracht wird. Die Opfer schämen sich und sind zutiefst verunsichert oder eingeschüchtert. Bei Freunden, Verwandten oder Kollegen finden sie außerdem kaum Verständnis. Diese unterstützen nämlich häufig noch die Selbstzweifel, mit denen sich das Opfer ohnehin schon quält.</p>
<p>Viele Opfer entschließen sich erst Jahre nach der Tat dazu, gegen den Täter vorzugehen. Das kompliziert zwar die Beweislage, aber die Polizei ermittelt trotzdem, wenn sie eingeschaltet wird. Schwierig ist es, wenn es zu diesem Zeitpunkt nur noch die Aussagen von Opfer und Täter gibt. Beweise am Tatort oder auch am Opfer können nur unmittelbar nach der Tat gesichert werden.</p>
<p>„Viele Frauen empfinden großen Ekel und duschen nach einem Missbrauch stundenlang. Das ist verständlich. Aber besser wäre es, Spuren fachgerecht sichern zu lassen und aufzubewahren; Verletzungen sollten für ein mögliches späteres Strafverfahren dokumentiert werden. Der vertraute Gynäkologe oder eine Notfallambulanz können das machen und sind nicht verpflichtet die Polizei einzuschalten“, erläutert Jacoby.</p>
<p>„Sexualstraftäter werden erfahrungsgemäß eher angezeigt, wenn sie dem Opfer unbekannt sind; beispielsweise der Exhibitionist auf dem Spielplatz. In den meisten Fällen von sexueller Gewalt sind sich Opfer und Täter jedoch bekannt oder sogar miteinander verwandt“, sagt Jacoby, „wir müssen deshalb leider von einer hohen Dunkelziffer ausgehen“.</p>
<p>Die Polizei ermutigt Opfer von sexueller Gewalt, sich zu melden und die Tat anzuzeigen. „Das bringt ja sowieso nichts“, denken einige Opfer vielleicht. Das ist allerdings nicht richtig, auch wenn sich die Ermittlungen gegen den Täter selbstverständlich einfacher gestalten, je weniger Zeit seit der Tat verstrichen ist. Aber auch einer möglicherweise notwenigen späteren Traumabewältigung kann die Einleitung eines Strafverfahrens zuträglich sein. Und nicht zuletzt sind Sexualstraftäter häufig Wiederholungstäter. Sind sie der Polizei erst einmal aufgefallen, kann das spätere Ermittlungen erleichtern.</p>
<p>Opfern von sexueller Gewalt stehen in unserem Rechtssystem viele Hilfen zur Verfügung. Sie haben beispielsweise Anrecht auf einen Opferanwalt und Prozesskostenhilfe &#8211; auch bei Nichtbedürftigkeit. Unter Umständen können sie nach dem Opferentschädigungsgesetz (OEG) Schadenersatz und die Kostenübernahme für eine traumatologische Behandlung in einer Opferambulanz erhalten. Wichtiger dürfte jedoch sein, dass sie besonderen Schutz während des Strafverfahrens genießen. Sie können beispielsweise darauf bestehen, nur mit weiblichen Beamten zu sprechen oder sich während der Verhandlung in einem Zeugenschutzzimmer aufzuhalten. Die Öffentlichkeit und auch der Täter können auf Antrag an den vorsitzenden Richter oder die vorsitzende Richterin während der Vernehmung des Opfers ausgeschlossen werden.</p>
<p>Kriminalhauptkommissarin Jacoby kennt viele Tricks, mit denen sich bereits sehr junge Frauen wirksam gegen sexuelle Gewalt schützen können: „Wenn man auf der Straße angesprochen wird, sollte man sich vor allem in einsamen Gegenden auf kein Gespräch einlassen, sondern selbstbewusst weiter gehen und das nächste beleuchtete Haus ansteuern.</p>
<p>Fühlt man sich verfolgt, sollte man die Straßenseite wechseln, sich einer Personengruppe anschließen und um Hilfe bitten, mit dem Mobiltelefon den Notruf 110 wählen und den Kontakt halten, bis die Polizei eingetroffen ist und nicht zum eigenen Hauseingang gehen. Bei konkreter Bedrohung rate ich, durch die direkte Ansprache einer Person auf sich aufmerksam machen und damit praktisch ‚Öffentlichkeit’ herzustellen.</p>
<p>Auch zuhause kann man sich schützen. Dabei helfen die Kollegen der technischen Prävention in der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle kostenlos. Ist aber bereits jemand – möglicherweise durch Vorspiegelung falscher Tatsachen – in der Wohnung und bekommt man ein ungutes Gefühl, sollte man verlangen, dass derjenige die Räumlichkeiten  verlässt. Kommt er dieser Aufforderung nicht nach, sollte man selber sofort die eigenen vier Wände verlassen und mit Verstärkung, beispielsweise durch die Nachbarn, zurückkommen.</p>
<p>Bei dem Versuch, sich mit Waffen und technischen Hilfsmitteln selbst zu verteidigen, ist Vorsicht geboten, denn diese kann der Täter möglicherweise an sich bringen und dann gegen das Opfer verwenden, oder man muss zu nah heran. Ich empfehle eigentlich gerne den Schrillalarm. Das ist ein kleines Gerät, das man bequem mitnehmen kann und beim Auslösen großen Lärm macht, eine Tatsache, die alleine vielleicht schon dazu führt, dass man dem überraschten Angreifer entkommen kann. Außerdem ist einem die Aufmerksamkeit anderen Menschen gewiss.“</p>
<p>„Es werden immer wieder Fälle bekannt, in denen ein Täter vom Opfer abgelassen hat, wenn dieses sich zur Wehr gesetzt hat. Die Angreifer setzen auf Hilflosigkeit und Einschüchterung“, erklärt Jacoby „deshalb empfehle ich jeder Frau dringend: Wehre dich entschieden und laufe weg, sobald du kannst.“</p>
<p>Der Vorwurf, dass eine Frau einen Ausbruch von sexueller Gewalt selbst provoziert hat, ist in der Regel ebenso ungerecht wie unbegründet. Insbesondere Mädchen und junge Frauen kleiden und verhalten sich nicht etwa zu dem Zweck sexuell aufreizend, ältere Männer zu verführen. Stattdessen geht es ihnen um Anerkennung in der Gruppe Gleichaltriger. Jacobys Erfahrungen bestätigen das. „Ich sage den Mädchen, die zu mir zur Beratung kommen, dass es in Ordnung ist, sich figurbetont zu kleiden, sich hübsch zu machen und sich vorteilhaft zu stylen. Niemand ist deshalb berechtigt, sie für leicht verfügbar zu halten. Die Mädchen wollen gefallen. Aber sie müssen auch lernen, damit umzugehen, wenn sie Jungen und Männern dann tatsächlich auffallen. Pfeift ihnen ein Junge hinterher, verstecken sich die Mädchen aber leider oft hinter ihren langen Haaren und signalisieren dadurch Unsicherheit. Das ist genau falsch. Hier wäre Selbstbewusstsein gefragt. Brust raus, Po rein, ein aufrechter Gang. Und im Zweifelsfall sollte bereits ihr fester Blick sagen: Denk nicht mal dran…!“</p>
<p>„Ich rede mit den Mädchen auch über den Umgang mit sexueller Belästigung. Das ist unter Jugendlichen oft das gleiche wie später am Arbeitsplatz. Je nachdem, ob anzügliche Worte, Gesten und Berührungen von einem beliebten oder eher unbeliebten Jungen kommen, werden diese unterschiedlich bewertet; bei dem einen fühlen sie sich geschmeichelt, bei dem anderen beleidigt und angegriffen“, berichtet Jacoby, „hier plädiere ich klar für mehr Gerechtigkeit. Man sollte sich selber und anderen deutlich klar machen, wann eine Grenze überschritten ist.“</p>
<p>„Für mich beginnt sexuelle Gewalt immer dann, wenn eine sexuelle Handlung nur noch einem der Beteiligten Spaß macht beziehungsweise wenn sie nicht mehr dazu dient, Zuneigung auszudrücken, sondern lediglich die eigenen Bedürfnisse befriedigt. Es ist immer ein Machtmissbrauch“, sagt Jacoby. Jede Frau (und natürlich auch jeder Mann) hat jederzeit das Recht, eine sexuelle Handlung zu verweigern. Und niemand ist dazu berechtigt, sich über diese Weigerung hinweg zu setzen – welche guten Gründe er auch immer dafür zu haben glaubt.“</p>
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		<title>Euro-Krise deckt ethische Mängel auf</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Nov 2011 07:23:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stollmeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerechtigkeit]]></category>
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		<description><![CDATA[Arbeitskreis Ethik und Soziale Marktwirtschaft tagte in Aachen
Die Euro-Krise ist ohne Würdigung ihrer sittlichen Grundlage weder erklärbar noch heilbar. Darin waren sich die Mitglieder des von der ASM geförderten wissenschaftlichen Arbeitskreises Ethik und Soziale Marktwirtschaft (ESMA) bei ihrer Jahrestagung in Aachen einig. Die rund 20 deutschen und österreichischen Wissenschaftler und Praktiker aus verschiedenen Fakultäten diskutierten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Arbeitskreis Ethik und Soziale Marktwirtschaft tagte in Aachen</p>
<p>Die Euro-Krise ist ohne Würdigung ihrer sittlichen Grundlage weder erklärbar noch heilbar. Darin waren sich die Mitglieder des von der ASM geförderten wissenschaftlichen Arbeitskreises Ethik und Soziale Marktwirtschaft (ESMA) bei ihrer Jahrestagung in Aachen einig. Die rund 20 deutschen und österreichischen Wissenschaftler und Praktiker aus verschiedenen Fakultäten diskutierten die aktuellen Entwicklungen vor dem Hintergrund von Texten der Deutschen Bischofskonferenz, Joachim Starbattys und Friedrich Beutters. Auch die publizistischen Klagen von Charles Moore („Hat die Linke doch recht?“) und Constantin Seibt fanden Gehör – Zustimmung allerdings nicht.</p>
<p>Denn nach Ansicht des ESMA-Kreises beweist die Aufeinanderfolge von Bankenkrise, Schuldenkrise und Währungskrise gerade nicht das Scheitern der Sozialen Marktwirtschaft: Denn deren Regeln sind im Vorfeld der Krise missachtet worden.</p>
<p>Bei der Diskussion der Euro-Krise diagnostizierten die Gesprächsteilnehmer verschiedene Facetten eines dramatischen Vertrauensverlustes, der seine Wurzeln in Konstruktionsmängeln der gemeinsamen Währung hat. So gibt beispielsweise nicht etwa die Europäische Zentralbank den Euro aus; das tun vielmehr die einzelnen Partnerländer, ohne dass die Zentralbank sie daran hindern könnte. Schwankende Auslegungen von Verträgen wie bei der „No bail out“ Klausel des Lissabon-Vertrages und allzu intransparente Legitimationen von gemeinsamen Maßnahmen bewirken ein Übriges.</p>
<p>Die Gesprächsteilnehmer erkannten als wesentlichen Grund der aktuellen Vertrauenskrise einen kaum durchschaubaren ethischen Konflikt zwischen Einzelmaßnahmen zur Rettung des Ordnungsrahmens einerseits und vertragsrechtlicher Zuverlässigkeit andererseits. Und sie stellten die offene Frage, wer legitimerweise erstens die Notlagen und zweitens die Wirksamkeit der Maßnahmen feststellt.</p>
<div id="attachment_1102" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://moralblog.de/wp-content/uploads/DSCF2887.JPG"><img class="size-medium wp-image-1102" title="ESMA 2011" src="http://moralblog.de/wp-content/uploads/DSCF2887-300x225.jpg" alt="Der ESMA-Kreis am Mutterhaus der Aachener Franziskanerinnen" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Der ESMA-Kreis am Mutterhaus der Aachener Franziskanerinnen</p></div>
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		<title>Gezeugt durch eine Vergewaltigung: Rebecca Kiessling</title>
		<link>http://moralblog.de/2011/11/03/gezeugt-durch-eine-vergewaltigung-rebecca-kiessling/</link>
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		<pubDate>Thu, 03 Nov 2011 07:40:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Caroline Stollmeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[1000plus | Lebensrecht]]></category>
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		<description><![CDATA[Rebecca Kiessling wurde gleich nach ihrer Geburt adoptiert. Als 18-jährige begann sie die Suche nach ihrer leiblichen Mutter. Es war nicht ganz einfach, aber schließlich fand sie heraus, wer ihre Mutter ist. Darüber war sie sehr glücklich. Todunglücklich hingegen machten sie die Umstände, unter denen sie gezeugt wurde: ihre Mutter war nämlich Opfer eines brutalen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Homepage von Rebecca" href="http://www.rebeccakiessling.com/index.html" target="_blank">Rebecca Kiessling</a> wurde gleich nach ihrer Geburt adoptiert. Als 18-jährige begann sie die Suche nach ihrer leiblichen Mutter. Es war nicht ganz einfach, aber schließlich fand sie heraus, wer ihre Mutter ist. Darüber war sie sehr glücklich. Todunglücklich hingegen machten sie die Umstände, unter denen sie gezeugt wurde: ihre Mutter war nämlich Opfer eines brutalen Serienvergewaltigers geworden.</p>
<p>Rebecca war überzeugt davon, dass ihre Mutter sie hassen würde. Sie stellte sich vor, dass sie das Schlimmste sei, das ihrer Mutter je passiert ist. Außerdem fühlte sie sich beschmutzt und wertlos. Welcher nette Mann würde sie, das „Produkt“ einer Vergewaltigung, je lieben können? Und sollte sie jemals einen Sohn bekommen, wäre dieser dann auch irgendwann ein Vergewaltiger?</p>
<p>Rebeccas Mutter hingegen war überglücklich, als sie endlich Kontakt zu ihrer Tochter hatte. Nach dem ersten Telefonat schrieb sie ihrer Tochter in einem herzlichen Brief: „All diese Jahre hatte ich nichts von Dir, kein Foto, nichts, das mir sagte, dass Du ein Teil von mir bist. Nur die Erinnerung an eine Schwangerschaft mit dem Baby, von dem ich hoffte, dass es eines Tages seine wirkliche Mutter suchen würde, so wie auch ich mein Baby kennen lernen wollte. Ich habe Dich in meinem Herzen immer geliebt.“</p>
<p>Das Wiedersehen nach all den Jahren war ein wunderbarer Tag für Mutter und Tochter.</p>
<p>Dann ist Rebecca auf das Thema Abtreibung aufmerksam geworden. Sie fragte ihre Mutter, ob diese je daran gedacht hätte, ihr Kind abzutreiben. Und die Mutter gab zu, dass sie es sogar zwei Mal versucht hatte. Zu dieser Zeit aber waren Abtreibungen in ihrem Heimatstaat der USA verboten. Und die Hinterhofpraxen, in die sie geschickt wurde, arbeiteten unter so abstoßenden Bedingungen, dass die Mutter Reißaus genommen hatte. So wurde Rebecca schließlich geboren.</p>
<p>Auch das Wissen darum, dass sie beinahe abgetrieben worden wäre, stürzte Rebecca in eine große Krise. Sie lebte fortan in der zwanghaften Gewissheit, dass sie der Welt beweisen müsse, dass sie es wert sei, zu leben und geliebt zu werden. Mehr noch als Faktoren wie Herkunft, Wohngegend, Beruf und Einkommen der Eltern fühlte sie, dass die Umstände der Zeugung und Geburt den Wert eines Menschen in den Augen anderer ausmachen.</p>
<p>Ihre Beziehungen endeten oft in Missbrauch und Gewalt. Bis sie eines Tages Gottes Wirken in ihrem Leben erkannte. Sie begann sich im Lebensschutz zu engagieren. Ihre Freude darüber leben zu dürfen wollte sie mit anderen Menschen teilen und damit auch beweisen, dass die Umstände der Zeugung nicht entscheidend für ein gelingendes Leben sind.</p>
<p>Nach langen Gesprächen mit ihrer Mutter und vielen anderen betroffenen Frauen weiß sie heute: „Nicht das Baby ist das Schlimmste, das einer vergewaltigten Frau passieren kann, sondern eine Abtreibung ist das.“</p>
<p>Aufgrund ihres Engagements trifft sie häufig auf Abtreibungsgegner und -befürworter. Sie findet es herzlos, wenn diese ihr sagen, dass sie gegen Abtreibungen sind „außer nach einer Vergewaltigung“ bzw. für ein Recht auf Abtreibung sind „vor allem nach einer Vergewaltigung“. Für sie ist das, als wenn diese Menschen sagen würden: „Wenn es nach mir ginge, dann wärst Du heute tot.“ Und so etwas würde Rebecca nie zu jemandem sagen.</p>
<p>Oft hört sie, dass sie damals großes Glück hatte, weil ihre Mutter sie nicht abgetrieben hat. Darauf erwidert sie: „Nein, ich hatte kein Glück, ich wurde beschützt. Ich wurde beschützt vom Gesetz und von den Leuten, die dieses Gesetz gemacht haben. Wären Abtreibungen damals legal gewesen, dann wäre ich heute tot.“</p>
<p>Ihre Helden sind die Menschen, die sich damals so wirksam für den Lebensschutz Ungeborener eingesetzt haben und denen sie ihr Leben verdankt. Und ein bisschen hofft sie nun auch, so ein Held für andere Menschen werden zu können. Deshalb sagt sie deutlich: „Ich bin 100% für das Leben, ohne Ausnahmen und ohne Kompromisse.“</p>
<p>Rebeccas eigene Geschichte hat inzwischen ein nahezu märchenhaftes Ende gefunden: Sie arbeitet als Familienanwältin für verzweifelte Frauen, lebt glücklich zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern, und von ihrer leiblichen Mutter wurde sie rechtskräftig adoptiert.</p>
<p> </p>
<p style="text-align: center;"><img class="size-full wp-image-1091 aligncenter" title="Rebecca_Moralblog" src="http://moralblog.de/wp-content/uploads/Rebecca_Moralblog.jpg" alt="Rebecca_Moralblog" width="411" height="214" /></p>
<p style="TEXT-ALIGN: center"><em>Rebecca Kiessling bei einer Festveranstaltung der <a title="Homepage der ALfA" href="http://www.alfa-ev.de/" target="_blank">ALfA</a> in Düsseldorf am 31. Oktober 2011 (Fotos: Caroline Stollmeier)</em></p>
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		<item>
		<title>Evolutionärer Humanismus: ein tragisches Missverständnis?</title>
		<link>http://moralblog.de/2011/10/31/evolutionarer-humanismus-ein-tragisches-missverstandnis/</link>
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		<pubDate>Mon, 31 Oct 2011 05:02:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Harald Stollmeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<description><![CDATA[Offener Brief an den Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung
Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Salomon,
als katholischer Akademiker setze ich mich mit meinen bescheidenen Kräften dafür ein, unsere Welt humaner zu machen. Als ich anlässlich Ihrer diesjährigen Auszeichnung von Peter Singer und Paola Cavalieri erstmals auf Sie und die Giordano Bruno Stiftung aufmerksam wurde, war ich neugierig und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Offener Brief an den Vorstandssprecher der <a title="Website der Giordano Bruno Stiftung" href="http://www.giordano-bruno-stiftung.de/" target="_blank">Giordano Bruno Stiftung</a></strong></p>
<p>Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Salomon,</p>
<p>als katholischer Akademiker setze ich mich mit meinen bescheidenen Kräften dafür ein, unsere Welt humaner zu machen. Als ich anlässlich Ihrer diesjährigen <a title="Moralblog-Bericht über die Verleihung des Ethikpreises der Giordano Bruno Stiftung 2011" href="http://moralblog.de/2011/06/06/ethik-preis-fur-peter-singer-%E2%80%93-ein-ausdruck-der-meinungsfreiheit/" target="_blank">Auszeichnung von Peter Singer und Paola Cavalieri</a> erstmals auf Sie und die Giordano Bruno Stiftung aufmerksam wurde, war ich neugierig und wohlwollend: Wie könnte man auch als gläubiger Katholik anders als wohlwollend auf den Versuch von Menschen ohne Religion reagieren, „trotzdem“ nicht nur persönlich ein anständiges Leben zu führen, sondern darüber hinaus unsere Welt humaner zu machen?</p>
<p>Ich schreibe bewusst „trotzdem“ in Anführungszeichen, damit deutlich wird, dass ich damit nicht meine, Agnostizismus stünde im Widerspruch zu einer ethisch anspruchsvollen Lebensführung. Aber ich meine, dass Menschen, die ein im moralischen Sinne gutes Leben anstreben, obwohl sie sich davon keinen himmlischen Lohn versprechen, dafür großen Respekt verdienen, wie Ehrenamtliche sozusagen, deren intrinsische Motivation höher sein muss als die von Profis – die werden ja dafür bezahlt &#8230;</p>
<p>Unglücklicherweise dauerte es nicht lange, bis ich herausfand, dass auch Sie ein „trotzdem“ verwenden, aber wie es scheint ganz ohne Anführungszeichen. Bitte widerlegen Sie mich, wenn ich im Unrecht bin, aber für mich ist eine der Kernaussagen Ihres Buches <em>Manifest des evolutionären Humanismus</em>, dass religiöse Menschen, vor allem katholische Christen, allenfalls trotz ihrer Religion ein anständiges Leben führen können, und Priester, Bischöfe oder gar Päpste überhaupt nicht.</p>
<p>Ich bin überzeugt, dass Sie sich irren, und ich sehe in diesem Irrtum ein tragisches Missverständnis, denn wer eine humanere Welt anstrebt, sollte dabei nicht ausgerechnet die Menschen bekämpfen, die dasselbe wollen.</p>
<p>Zugegeben: Sie sehen diesen Widerspruch nicht, weil Sie sich darauf festgelegt haben, dass die religiösen Menschen im Allgemeinen und die katholischen Christen im Besonderen einer humaneren Welt schlichtweg im Wege stünden.</p>
<p>Sie behaupten, Religion sei vernunftwidrig, weil sie ihre Begründung und ihre Legitimation letztlich außerhalb dieser Welt finde. Sie behaupten zudem, die Bibel selbst beweise, dass Judentum und Christentum in ihrem Kern grausam, tückisch, rassistisch seien, und für alle Fälle erklären Sie noch unter Berufung auf <a title="Wikipedia-Artikel zu Karlheinz Deschner" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Deschner" target="_blank">Karlheinz Deschner</a>, man könne die Kirchengeschichte NUR als Kriminalgeschichte lesen.</p>
<p>Fangen wir beim dritten Vorwurf an: Er widerlegt sich durch seine Beschränkung auf das „nur“ beinahe von selbst. Gar so simpel ist nichts auf dieser Welt, nichts Menschliches jedenfalls. Und wie kann man das Christentum in Bausch und Bogen verurteilen, ohne das Handeln von Menschen wie Franz von Assisi, Bartolomé de Las Casas oder Mutter Theresa auch nur zu erwähnen?</p>
<p>Dabei ist es wahr, dass durch Christen und unter Berufung auf das Christentum entsetzliche Verbrechen verübt wurden. Wollen Sie aber für diese Verbrechen das Christentum oder gar Christus verurteilen, dann müssen Sie ein wenig genauer hinschauen.</p>
<p>Sie können sich dabei auf das Werk eines katholischen Historikers und Priesters stützen: <a title="Wikipedia-Artikel über Arnold Angenendt" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Arnold_Angenendt" target="_blank">Arnold Angenendt</a> sichtet in seinem meines Erachtens epochalen Buch <a title="ZEIT-Rezension von Toleranz und Gewalt" href="http://www.zeit.de/2007/28/ST-Toleranz" target="_blank"><em>Toleranz und Gewalt</em></a> die Sünden der Christen und ihrer Kirche(n) ebenso gründlich wie kritisch, und im Gegensatz zu Deschner in dem Bemühen, seinen Forschungsgegenständen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.</p>
<p>Dabei tritt unter anderem zutage, dass Gewaltanwendung im Namen Christi in einer Welt auftrat, der Gewaltanwendung vertraut war: Genaugenommen sind Ereignisse wie die Hinrichtung der sächsischen Gefangenen in Verden an der Aller oder das Massaker bei der Eroberung Jerusalems im ersten Kreuzzug vor dem Hintergrund dessen, was damals außerdem vorgekommen ist, keineswegs Ausnahmeerscheinungen. Entsetzlich, erschütternd und himmelschreiend sind sie vor allem, wenn man den Maßstab der Botschaft Christi an sie anlegt. Und genau das haben Christen jeweils zeitnah getan.</p>
<p>Es ist nicht gerecht, wenn man jedes von Christen verübte Verbrechen auf ihr Christentum zurückführt, nicht einmal dann, wenn die Täter sozusagen im Hauptberuf Christen waren. Die meist unausgesprochen damit verbundene Unterstellung lautet: Wären diese Menschen keine Christen gewesen, dann hätten sie sich humaner verhalten. Man braucht nicht einmal besonders belesen zu sein, um zu erkennen: Es ist eher umgekehrt. Menschen haben unabhängig von ihrer Religion das Zeug zu solchen Grausamkeiten, und es spricht viel dafür, dass der Einfluss des Christentums meistens mäßigend, ja zivilisierend gewesen ist. Ob er mäßigend genug war, ob die Christen ihren eigenen Maßstäben in der Regel gerecht geworden sind, das ist eine andere Frage, die Angenendt differenziert und ohne Selbstgerechtigkeit beantwortet.</p>
<p>Wollen wir für einen Augenblick Ihre strengen Maßstäbe an die Aufklärung und ihre Protagonisten in der Französischen Revolution anlegen? Wollen wir neben den insgesamt 97 zwischen 1540 und 1800 wegen direkter Glaubensvergehen von der römischen Inquisition (Angenendt S. 285) und den insgesamt ungefähr 6 000 von der spanischen Inquisition (Angenendt S. 283) zum Tode verurteilten Menschen für einen Augenblick an die 50 000 Menschen denken, die allein von 1792 bis 1794 in Frankreich hingerichtet wurden, oder an die über 100 000 Menschen, die während dieser Zeit den Massakern der Revolutionskommissare zum Opfer fielen (Angenendt S. 69)? Es ist ja nicht so,  dass die Aufklärung des 18. Jahrhunderts in Ihrer Weltanschauung eine Nebenrolle spielte. Die historische Gründlichkeit müsste Ihnen eigentlich gebieten, die Nebenwirkungen der Aufklärung wenigstens beiläufig zu erwähnen.</p>
<p>Dabei meine ich nicht etwa, dass diese Grausamkeiten eine notwendige Folge der Aufklärung gewesen wären; auch in diesen Fällen spricht viel dafür, dass Menschen einfach das Zeug dazu haben. Allerdings wird man wohl sagen dürfen, dass den Revolutionskommissaren vielleicht ein mäßigender Einfluss gefehlt hat.</p>
<p>Sie dagegen, sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Salomon, halten die Bibel selbst für verbrecherisch, und Sie zitieren als Beleg die durch Gott angeordneten ethnischen Säuberungen des Alten Testaments und die Aussagen Christi zum Jüngsten Gericht im Neuen Testament. Christus unterstellen Sie gar ein „jenseitiges Auschwitz“ mit „himmlischer Rampe“ (<em>Manifest </em>S. 51), was unabhängig von der Frage des guten Geschmacks zumindest eine verkürzte Darstellung ist.</p>
<p>Dabei ist nicht einmal Ihre Kritik am Alten Testament gerecht; vor ihrem historischen Hintergrund erscheinen die von Ihnen kritisierten Passagen als mehr oder weniger zeitgemäß; das schließt die Akzeptanz der antiken Sklaverei ein. Sie werden einwenden, dass diese Eroberungsaufträge in Ihren Augen deshalb so besonders verwerflich sind, weil sie ja als direkter Befehl des allmächtigen Gottes gelten. Diese wörtliche Auslegung des Alten Testaments ist unter Christen heute allerdings selten geworden, und aus katholischer Sicht ist sie gar Häresie.</p>
<p>Ein wenig anders sieht es mit dem Neuen Testament aus, denn es überliefert ja in großer Zahl Aussagen von Jesus Christus, dessen göttliche Vollmacht im Mittelpunkt des christlichen Glaubens steht. Das heißt: Wörtliche Aussagen von Jesus Christus haben in der Tat hohes Gewicht (womit ich der historisch-kritischen Analyse im Einzelfall nicht vorgreifen will).</p>
<p>Wenn Sie aber vor diesem Hintergrund Anstoß nehmen an der Ankündigung des Jüngsten Gerichts, müssen Sie zweierlei berücksichtigen. Erstens sind das die Gebote, deren Einhaltung Christus zur Voraussetzung für die Erlösung des Einzelnen erklärt. Im zehnten Kapitel des Lukasevangeliums finden Sie diese Gebote auf das Wesentliche verdichtet: „Du sollst den Herrn, Deinen Gott, lieben mit ganzen Herzen und ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all deinen Gedanken und: Deinen Nächsten sollst du lieben wie dich selbst.“</p>
<p>Die naheliegende Frage, wer denn dieser Nächste sei, beantwortet Christus direkt anschließend mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter, das meines Erachtens zur Allgemeinbildung gehört.</p>
<p>Zweitens sollten Sie Ihre kategorische Ablehnung der Vorstellung von einem Jüngsten Gericht selbst überdenken. Diese Vorstellung ist die logische Konsequenz des Glaubens an einen gerechten Gott. Und wenn es auch wahr ist, dass man Menschen mit dem Jüngsten Gericht einschüchtern kann, so ist es doch auch wahr, dass es während des größten Teils der menschlichen Geschichte und noch heute auf dem größten Teil der Erde nicht die Armen und Unterdrückten sondern die Reichen und Mächtigen sind, deren Verhalten mit dieser Einschüchterung gemäßigt wurde und wird &#8211; nicht die Unterdrückten fürchten das Jüngste Gericht!</p>
<p>Ihr gewichtigstes Argument gegen Religion lautet: Sie ist vernunftwidrig, unwissenschaftlich, unwahr. Die Vernunftwidrigkeit ergibt sich für Sie aus der Berufung auf eine göttliche Offenbarung. Damit haben Sie insofern Recht, als die Tatsache der Offenbarung nicht falsifizierbar ist und sich einer vernünftigen Diskussion weitgehend entzieht. Sie ist wahr oder falsch, aber sie ist nicht überprüfbar.</p>
<p>Anders steht es mit den Inhalten der Offenbarung: Diese können sehr wohl auf ihre Schlüssigkeit und Plausibilität überprüft werden. Und wenn ein Christ die Gleichwertigkeit aller Menschen mit der biblisch überlieferten Gottesebenbildlichkeit des Menschen begründet, so spricht das keineswegs gegen die Gleichwertigkeit.</p>
<p>Sieht man also von der fehlenden Falsifizierbarkeit ihrer Legitimation ab, ist Religion keineswegs von vornherein vernunftwidrig. In der Argumentation selbst sind katholische Philosophen ebenso überprüfbar wie atheistische, und sie bestehen die Prüfung bemerkenswert oft; die Berufung auf Gott als Deus ex Machina ist in der katholischen Moraltheologie beinahe ebenso verpönt wie in der Astronomie.</p>
<p>Vielleicht sollten Sie sich die aktuellen katholischen Vorstellungen zum Naturrecht noch einmal ansehen, bevor Sie das ganze Konstrukt über Bord werfen. Die Vorstellung, dass ethische Maßstäbe unabhängig von staatlicher Festlegung sind, teilt nicht nur Papst Benedikt XVI.,  sondern auch der religiös unverdächtige Peter Singer.</p>
<p>Papst Benedikt XVI. gehört übrigens nicht erst <a title="SPIEGEL-Dokumentation des Vortrags von Papst Benedikt XVI. im Deutschen Bundestag" href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,787896,00.html" target="_blank">seit seinem bemerkenswerten Vortrag vor dem Deutschen Bundestag</a> zu den zahlreichen aktenkundigen katholischen Theologen, die regelmäßig in dem von mir skizzierten Sinne vernünftig argumentieren; Sie, sehr geehrter Herr Dr. Schmidt-Salomon, wissen natürlich selbst, wie viele das sind.</p>
<p>Diesem Problem begegnen Sie im Nachwort zu Ihrem Manifest mit einem Kunstgriff, für den Sie von Sir Karl Popper jedenfalls keinen Beifall erwarten können: Wenn ein dezidierter Christ Gutes tut oder auch nur vernünftig bzw. maßvoll argumentiert, dann ist er für Sie eben kein richtiger Christ. In Ihrem Humanismus bestimmen Sie, wer Christ ist.</p>
<p>Wissen Sie denn nicht, dass die Anerkennung der neodarwinistischen Evolutionstheorie als Stand der Wissenschaft für gläubige Katholiken absolut akzeptabel ist?  Der katholische Priester und Philosoph <a title="Wikipedia-Artikel über Martin Rhonheimer" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Martin_Rhonheimer" target="_blank">Martin Rhonheimer</a> (noch dazu Mitglied des Opus Dei) hat im Februar 2006 <a title="Text des Rhonheimer-Briefes an Kardinal Schönborn" href="http://www.imabe.org/index.php?id=600" target="_blank">in einem sehr höflichen (und mit dessen Einverständnis veröffentlichten) Brief</a> den Erzbischof von Wien darüber aufgeklärt, nachdem dieser die Evolutionstheorie im Vorjahr scharf kritisiert hatte. Die Lektüre dieses Textes von Rhonheimer lohnt sich übrigens auch wegen seiner Bemerkungen zu möglichen Gottesbeweisen.</p>
<p>Denn auch wenn Religion zumindest in sich keineswegs notwendigerweise vernunftwidrig ist, so bleibt doch die Frage, ob sie in ihren Kernaussagen wahr ist, ein Stachel im Fleisch. Ich kann verstehen, dass Sie die möglichen Belege dafür, dass es vielleicht aber wahr ist (vgl. Martin Buber, <em>Die Erzählungen der Chassidim</em>, Zürich 1949, S. 363 f.), nicht näher untersuchen; diese Aufgabe haben Sie sich ja nicht gestellt.</p>
<p>Allerdings hat Ihr Hauptargument dagegen, dass es wahr sein könnte, eine bedauerliche Schwäche. Ihre Behauptung, der Mensch sei allein aus Zufall entstanden, gibt ja nicht einmal die Kernaussagen der Evolutionstheorie zutreffend wieder &#8211; diese erkennt das Zusammenwirken des Zufalls mit der Notwendigkeit in Form der Erfordernisse der Umwelt.</p>
<p>Sie betonen nicht ohne Stolz, dass die weitaus meisten herausragenden Physiker vor allem in den religiösen USA Agnostiker sind. Wissen Sie denn nicht, dass ein nennenswerter Teil dieser religiös unverdächtigen Physiker allen Ernstes über das &#8220;<a title="Wikipedia-Artikel über das anthropische Prinzip" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Anthropisches_Prinzip" target="_blank">anthropische Prinzip</a>&#8221; diskutiert? Diese Diskussion eignet sich zumindest als Warnung vor voreiligen Schlüssen; die Wahrscheinlichkeit, dass es keinen Gott gibt, ist geringer, als Sie schreiben.</p>
<p>Aber selbst wenn Sie mit Ihrer Einschätzung Recht hätten, wäre ich noch immer der Meinung, dass Ihre im <em>Manifest</em> gleich zweimal vorgetragene Einschätzung, religiöse Menschen dürften im Grunde kein Wahlrecht haben (vgl. <em>Manifest </em>S. 48f., S. 118f.), mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit über das Ziel hinausschießt.</p>
<p>Der Vollständigkeit halber erwähne ich, dass Ihre in vieler Hinsicht berechtigte Kritik am Islam das wesentliche Problem unberührt lässt, nämlich die in der islamischen Welt weithin anerkannte Lehre, der Koran sei direkt Gottes Wort. Diese Lehre steht einer historisch-kritischen Neuauslegung des Korans weit mehr im Weg als jeder noch so bedenkliche Inhalt. Und sogar unter diesen Bedingungen finden sich gläubige Muslime, die wie der Wirtschaftswissenschaftler und Unternehmer <a title="Wikipedia-Artikel über Muhammad Yunus" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Muhammad_Yunus" target="_blank">Muhammad Yunus</a> oder der Arzt und Katastrophenhelfer <a title="Moralblog-Artikel über das Darfur-Hilfsprojekt des Deutsch-Afrikanischen Ärztevereins" href="http://moralblog.de/2011/06/14/darfur-helfen-verboten/" target="_blank">Dr. Abdelmoula Kangoum</a> spürbare Beiträge zu einer humaneren Welt leisten.</p>
<p>Eine humanere Welt: Sie könnte das gemeinsame Ziel aller Menschen guten Willens sein. Um dieses Zieles willen bitte ich Sie: Beenden Sie Ihren Kreuzzug gegen die Religionen und laden Sie stattdessen alle Menschen guten Willens zur Zusammenarbeit ein. Ich verspreche Ihnen: Menschen guten Willens finden Sie überall.</p>
<p>Mit freundlichen Grüßen</p>
<p>Ihr</p>
<p>Harald Stollmeier</p>
<p>PS: Als sehr nützliche Lektüre zur Klärung der Begriffe und Kategorien bei der Kirchenkritik empfehle ich den Aufsatz <a title="Link zu Josef Bordats Aufsatz &quot;Die Papstgegner" href="http://jobo72.wordpress.com/2011/09/14/die-papstgegner/" target="_blank">&#8220;Die Papstgegner. Wo sie Recht haben. Und wo nicht.&#8221;</a> des katholischen Philosophen Dr. Josef Bordat.</p>
<p><strong>Literatur</strong></p>
<p>Schmidt-Salomon, Michael, <em>Manifest des evolutionären Humanismus</em>, 2. Auflage, Aschaffenburg 2006</p>
<p><em>Die Bibel. Altes und Neues Testament. Einheitsübersetzung</em>, Stuttgart 1980</p>
<p>Angenendt, Arnold, <em>Toleranz und Gewalt</em>, Münster 2007</p>
<p>Buber, Martin, <em>Die Erzählungen der Chassidim</em>, Zürich 1949</p>
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		<title>Weil jeder fehlt, der nicht geboren wird</title>
		<link>http://moralblog.de/2011/09/20/weil-jeder-fehlt-der-nicht-geboren-wird/</link>
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		<pubDate>Tue, 20 Sep 2011 07:25:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Caroline Stollmeier</dc:creator>
				<category><![CDATA[1000plus | Lebensrecht]]></category>
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		<category><![CDATA[ungewollte Schwangerschaft]]></category>

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		<description><![CDATA[Im zweiten Quartal 2011 wurden dem Statistischen Bundesamt zufolge 26.591 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet. Demnach werden sich wohl auch in diesem Jahr wieder über 100.000 Frauen für eine Abtreibung entscheiden, weil sie keine andere Alternative sehen. Niemand weiß, was aus ihren Kindern geworden wäre.
„Angesichts der jetzt wieder veröffentlichten Zahlen wird klar: Abtreibung ist ein verstecktes und tabuisiertes [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im zweiten Quartal 2011 wurden dem <a title="Statistiken" href="https://www-genesis.destatis.de/genesis/online/logon?language=de&amp;sequenz=tabellen&amp;selectionname=23311*" target="_blank">Statistischen Bundesamt </a>zufolge 26.591 Schwangerschaftsabbrüche gemeldet. Demnach werden sich wohl auch in diesem Jahr wieder über 100.000 Frauen für eine Abtreibung entscheiden, weil sie keine andere Alternative sehen. Niemand weiß, was aus ihren Kindern geworden wäre.</p>
<p>„Angesichts der jetzt wieder veröffentlichten Zahlen wird klar: Abtreibung ist ein verstecktes und tabuisiertes Massenphänomen. Wir verspielen unsere Zukunft, wenn wir die ungewollt schwangeren Frauen in unserem Land im Stich lassen“, urteilt der Projektleiter und Vorsitzende von Pro Femina e.V. Kristijan Aufiero.</p>
<p>Keine Frau wünscht sich einen Schwangerschaftskonflikt oder eine Abtreibung. Ziel des <a title="1000plus" href="http://www.1000plus.de/" target="_blank">Projekts 1000plus </a>ist es, die Beratungsarbeit bundesweit auszubauen, um jährlich1000 und mehr Schwangeren im Konflikt eine Perspektive für ein Leben mit ihrem Kind zu bieten.</p>
<p>„Jeder Mensch ist einmalig und wertvoll – ob gescheit oder nicht, ob gesund oder krank, ob jung oder alt! Wir können auf keinen einzigen verzichten. Jedes Kind ist ein Geschenk, und Kinder sind unsere Zukunft“, sagt Johanna Gräfin von Westphalen, Schirmherrin des Projekts und Vorsitzende der Stiftung Ja zum Leben.</p>
<p>Jedes Menschenleben bedeutet unendliche Möglichkeiten und unbegrenztes schöpferisches Potential. Jeder Mensch bereichert das Leben anderer, und jeder hinterlässt bleibende Spuren.</p>
<p> </p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.1000plus.de/mitmachen/downloads/fotos-poster.html" target="_blank"><img class="size-medium wp-image-994 aligncenter" title="0009Greta[1]" src="http://moralblog.de/wp-content/uploads/0009Greta1-300x216.jpg" alt="0009Greta[1]" width="300" height="216" /></a></p>
<p> </p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.1000plus.de/projekt/projekt.html" target="_blank"><img class="size-medium wp-image-998 aligncenter" title="0005Bastian[1]" src="http://moralblog.de/wp-content/uploads/0005Bastian11-300x204.jpg" alt="0005Bastian[1]" width="300" height="204" /></a></p>
<p> </p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.1000plus.de/projekt/projekt/projektidee.html" target="_blank"><img class="size-medium wp-image-999 aligncenter" title="0008Frida[1]" src="http://moralblog.de/wp-content/uploads/0008Frida11-300x219.jpg" alt="0008Frida[1]" width="300" height="219" /></a></p>
<p> </p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.1000plus.de/projekt/projekt/wie-wir-helfen.html" target="_blank"><img class="size-medium wp-image-995 aligncenter" title="0016Otto[1]" src="http://moralblog.de/wp-content/uploads/0016Otto1-300x213.jpg" alt="0016Otto[1]" width="300" height="213" /></a></p>
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