Kratzt man irgendwo ein bisschen an der Oberfläche, dann können sich Abgründe auftun. Das Statistische Bundesamt hat für das Jahr 2008 insgesamt 114.484 Schwangerschaftsabbrüche registriert.
114.484 Babys, die nie geboren wurden. 114.484 Leben, die nie gelebt werden können. – Das sind Hunderte an jedem einzelnen Tag. In Deutschland.
Nach Schätzungen von Manfred Spieker, Professor für Christliche Sozialwissenschaften an der Universität Osnabrück, ist die tatsächliche Zahl der Schwangerschaftsabbrüche doppelt so hoch. Er führt das auf Ungenauigkeiten in der statistischen Datenerhebung zurück.
Welche Zahl nun gilt – sie muss erschrecken.
Aber hier geht es nicht um Statistiken, denn hinter jedem Schwangerschaftsabbruch steht eine Geschichte. Man wird unterstellen dürfen, dass die allerwenigsten Frauen diesen Schritt leichtfertig machen. Ein Abbruch ist schließlich kein Verhütungsmittel.
Brigitta Thurmaier spricht für das seit Oktober laufenden Projekt 1000plus: „Wir wollen in den nächsten Jahren tausend und mehr Frauen helfen, ihre Babys zu retten.“ Und dabei setzt das Projekt auf qualifizierte Beratung konsequent hin zum Leben. Die 1000plus-Beratung ist eine von wenigen „scheinfreien“ in Deutschland.
Nach § 218 StGB ist ein Schwangerschaftsabbruch zwar grundsätzlich für alle Beteiligten strafbar, es gibt aber Ausnahmen. Eine davon ist die so genannte Beratungsregel, die besagt, dass ein Schwangerschaftsabbruch auf Wunsch der Schwangeren von einem Arzt durchgeführt werden kann, wenn die Schwangere durch eine Bescheinigung nachweist, dass sie mindestens drei Tage zuvor eine Schwangerenkonfliktberatung nach § 219 StGB in einer anerkannten Beratungsstelle bekommen hat.
1000plus stellt keine Beratungsscheine aus. Das würde nicht zum Selbstverständnis und zum klaren Bekenntnis zum Leben passen. Befürchtungen, dass 1000plus aus diesem Grund nicht genügend Frauen in Konfliktsituationen erreichen könnte, kann Brigitta Thurmaier sofort entkräften: „Wie müssen regelmäßig unsere Internet-Werbung abschalten lassen, weil sich mehr Frauen melden, als wir zur Zeit beraten können. Wir brauchen zuerst noch mehr Beraterinnen.“
Dass eine Frau sich nicht (uneingeschränkt) über ihre Schwangerschaft freut, kann viele Gründe haben. Beispielsweise, dass sie noch mitten in der Ausbildung oder im Studium ist, dass keine stabile Partnerschaft zum Vater des Kindes besteht oder dieser sie sogar zur Abtreibung drängt, dass sie sich wegen bereits geborener Kinder überfordert fühlt oder dass ihre Wohnung ungeeignet scheint.
In einer sensiblen und individuellen Beratung geht es an erster Stelle um die betroffenen Frauen. Ihre Probleme gilt es gemeinsam zu lösen und Wege zu finden, Krisen und Ängste zu überwinden. Erst dann können sie mit Herz und Verstand ja zu ihrem Baby sagen.
Neben der Beratung ist unmittelbare materielle Hilfe ganz wichtig. 1000plus bietet Frauen im Konflikt konkrete Unterstützung an. Beispielsweise hilft 1000plus bei der Suche nach einer größeren Wohnung, vermittelt auf Wunsch Plätze in Mutter-Kind-Heimen, stellt eine Tagesmutter zur Verfügung oder zahlt für die ersten Jahre Zuschüsse zum Lebensunterhalt für das Kind.
„Nach unserer Erfahrung brauchen wir etwa 5.000 Euro, um einer Frau zu helfen, damit sie sich für ihr Kind entscheiden kann.“, sagt Brigitta Thurmaier. Da 1000plus keine Steuerzuschüsse bekommt (weil keine Beratungsscheine ausgestellt werden), muss diese Hilfe komplett durch Projektpartner wie die STIFTUNG JA ZUM LEBEN und andere Unterstützer aufgebracht werden.
Frauen, die Hilfe suchen, werden in der Regel monatelang, manchmal sogar über Jahre, begleitet. „Die Erfahrung beweist, dass sich die überwältigende Mehrheit der Frauen – im Jahr 2008 waren es 84 Prozent – für ihr Baby entscheidet, wenn sie intensive Beratung und Begleitung bekommen.“, kann Brigitta Thurmaier berichten. Damit mehr Frauen im Konflikt geholfen werden kann, will 1000plus mehr Beraterinnen ausbilden, um das erfolgreiche „scheinlose“ Beratungskonzept auf ganz Deutschland auszuweiten. Dafür ist 1000plus auf der Suche nach Kooperationspartnern.
1000plus wünscht sich MitMACHER: Kommunikative Menschen, die sich klar für das Leben aussprechen, die hinsehen und protestieren, wenn Schwangerschaftsabbrüche irgendwo als normal dargestellt werden, die ihre Freude am (ungeborenen) Leben teilen und die zur Verbreitung der 1000plus-Botschaft beitragen.
Und natürlich geht es bei 1000plus auch um Geld – wie heutzutage fast überall. Aber nicht überall ist so leicht nachvollziehbar, wie Geld erfolgreich Menschen-Leben retten kann…
Mehr Informationen über das Projekt 1000plus und die Möglichkeit, selbst MitMACHER zu werden, gibt es auf: www.1000plus.de


