Archiv für die Kategorie 'Gute Taten'

Organtransplantation: Nächstenliebe oder Mord?

Harald Stollmeier am 5. April 2012

Organentnahme ist Mord. Das jedenfalls behaupten einige katholische Lebensrechtler und warnen vor der Ausschlachtung von Patienten, die eigentlich gerettet werden könnten, aus rein kommerziellen Motiven. Wahr ist: Nicht schon allein das Leid der Menschen, die auf ein Spenderorgan hoffen, rechtfertigt die Organtransplantationen. Wahr ist aber auch: Wenn Kritiker unter Berufung auf fragwürdige Einzelfälle behaupten, Organverpflanzungen seien ethisch unzulässig, dann machen sie es sich nicht nur wesentlich leichter als Papst und Kirche – sie berufen sich auch zu Unrecht auf Papst und Kirche für ihr pauschales Urteil.

Der Deutsche Bundestag ändert das Transplantationsgesetz: Aus der Zustimmungslösung wird eine Entscheidungslösung. Inhaltlich gilt zwar nach wie vor, dass nur Menschen Organe entnommen werden, deren ausdrückliche Zustimmung vorliegt. Aber alle Erwachsenen in Deutschland werden künftig regelmäßig befragt, und die Intention der Befragung ist klar. Kritiker sind alarmiert.

Einige katholische Publizisten halten Organtransplantationen für unvereinbar mit dem katholischen Bekenntnis, manche halten sie sogar für Mord. Selbst der Papst habe seine früher zustimmende Haltung relativiert. Ist das wahr? Muss man als Katholik gegen Organtransplantationen sein?

Im Katechismus der Katholischen Kirche von 1993 (Katechismus 2296) steht zwar „Organverpflanzung ist sittlich unannehmbar“, aber weiter heißt es: „…, wenn der Spender oder die für ihn Verantwortlichen nicht im vollen Wissen ihre Zustimmung gegeben haben. Sie entspricht hingegen dem sittlichen Gesetz und kann sogar verdienstvoll sein, wenn die physischen und psychischen Gefahren und Risiken, die der Spender eingeht, dem Nutzen, der beim Empfänger zu erwarten ist, entsprechen. Die Invalidität oder den Tod eines Menschen direkt herbeizuführen, ist selbst dann sittlich unzulässig, wenn es dazu dient, den Tod anderer Menschen hinauszuzögern.“

Das heißt: Organtransplantationen sind unter bestimmten Bedingungen sittlich erlaubt, und Organspende ist unter diesen Bedingungen ein Akt der Nächstenliebe. Im Kern der Bedingungen steht neben der echten Freiwilligkeit der Entscheidung des Spenders das Verbot der direkten Herbeiführung seines Todes. Nur „ex cadavere“, ergänzt Papst Bendedikt XVI., dürfen Organe entnommen werden.

Für einige katholische Publizisten und z. B. den katholischen Fundamentaltheologen Josef Schuhmacher entzieht diese Bedingung der gesamten heutigen Transplantationsmedizin die Grundlage. Denn für sie kann mit dem Tod des Spenders nur der vollständige Tod gemeint sein, der nicht vorliegt, solange das Herz noch schlägt. Schlägt das Herz aber nicht mehr und wird der Körper nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, so sterben auch die einzelnen Organe – mit der Folge, dass sie nicht mehr verpflanzt werden können. Wie kann, fragen diese Kritiker, ein Mensch tot sein, dessen Organe noch leben?

Das deutsche Transplantationsgesetz sieht als Lösung dieses Dilemmas die strikte Anwendung des Hirntodkriteriums an: Ein hirntoter Mensch kann lebende Organe spenden. Zwar wenden die Kritiker ein, das Hirntodkonzept sei direkt zu diesem Zweck formuliert worden. Aber damit ist es noch nicht in der Sache widerlegt.

Wie tot ist denn ein Mensch, der die Bedingungen des Hirntodes erfüllt? Ist er lebendig, so dass die Entnahme lebenswichtiger Organe Mord ist? Oder ist Hirntod gleich Tod? Diese Frage ist tatsächlich entscheidend, eigentlich nicht nur für die Haltung von Katholiken.

Für Papst Benedikt XVI. muss diese Frage auf der Höhe der Wissenschaft beantwortet werden; das „ex cadavere“ in seinem Vortrag vor einem Kongress der Päpstlichen Akademie für das Leben im November 2008 ist eine Aufforderung zur Diskussion, nicht ihr vorweggenommenes Ergebnis. Dafür spricht auch, dass der Papst im selben Vortrag ausdrücklich auf die vielen Menschen hinweist, die auf ein Spenderorgan warten.

Es wäre deshalb zumindest voreilig, aus dem Brief des Prälaten Dr. Georg Gänswein an den Münchner Arzt Dr. Gero Winkelmann auf eine neuerdings restriktive Haltung des Papstes zu Organtransplantationen zu schließen. In diesem Brief teilt Prälat Gänswein mit, der Organspendeausweis des Heiligen Vaters sei mit seiner Wahl zum Papst „ipso facto“ ungültig geworden und eine Berufung darauf folglich nicht mehr statthaft.

Aber ungültig geworden ist der Organspendeausweis aus zwei Gründen, die mit der Frage der Organspende selbst gar nichts zu tun haben: Erstens ist es völkerrechtlich ausgeschlossen, dass das Staatsoberhaupt eines souveränen Staates den Gesetzen eines anderen Staates unterliegt. Zweitens gelten für den Umgang mit dem Leichnam eines Papstes strenge Regeln, die u. a. mit Reliquientheologie zu tun haben und die Abgabe von Organen ausschließen.

Während Heinz-Josef Algermissen, der Bischof von Fulda, in einer persönlichen Stellungnahme in der Tagespost im März 2012 Unbehagen gegenüber dem Hirntodkriterium äußert und (zu Recht!) auf die Notwendigkeit gründlicher Aufklärung der Organspender und ggf. ihrer Angehörigen hinweist, ist die offizielle Haltung der Deutschen Bischofskonferenz zum Hirntodkriterium und zum deutschen Transplantationsgesetz zustimmend.

Als durchaus repräsentativ dafür wird man den Vortrag von Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger, Mitglied im Deutschen Ethikrat, vor dem Ausschuss für Gesundheit des Deutschen Bundestages am 24. Juni 2011 betrachten dürfen (S. 3-4): Für Weihbischof Losinger ist das Hirntodkriterium nach sorgsamer Abwägung „ein hinreichend sicheres Kriterium der Todesfeststellung […], das mit der ärztlichen Pflicht zur Lebenserhaltung und dem Tötungsverbot vereinbar ist“ – obwohl es „in der Tat“ aus pragmatischen Rücksichten auf die Erfordernisse der Transplantationsmedizin formuliert wurde.

Wem die Deutsche Bischofskonferenz nicht katholisch genug ist, den mag beruhigen, dass auch die Päpstliche Akademie der Wissenschaften in ihrer Stellungnahme aus dem Jahr 2008 den Hirntod ausdrücklich als „Tod des Individuums“ anerkennt (S. 22): „Das Gehirn ist tot und das Funktionieren der anderen Organe wird direkt oder indirekt durch künstliche Mittel aufrechterhalten. Dieser Zustand ergibt sich einzig und allein durch die Anwendung moderner medizinischer Technologien und, von wenigen Ausnahmen abgesehen, kann er nur für eine begrenzte Zeit aufrechterhalten werden.“

Das bedeutet: Bei korrekter Anwendung des Hirntodkriteriums ist die Explantation von Organen aus Sicht der katholischen Kirche zulässig. Insbesondere ist sie kein Mord.

Kritiker sollten deshalb unterscheiden zwischen der ethischen Zulässigkeit der Organtransplantation bei Vorliegen klar formulierter Bedingungen – die man jedenfalls nicht im Einklang mit dem Lehramt bestreiten kann – und der Frage, ob diese Bedingungen im Einzelfall oder auch im jeweils geltenden Gesetz erfüllt sind.

Die Päpstliche Akademie der Wissenschaften nimmt es dabei mit dem Hirntod ganz genau (S. 22): „Dass Hirntod den Begriff ‚Tod’ einschließt, mag ein zentrales Problem bereiten, aber innerhalb neurologischer Kreise (mit wenigen Ausnahmen) wird anerkannt, dass sich Hirntod durch etwas Essentielles von allen anderen schweren Dysfunktionen des Gehirns unterscheidet, die Änderungen im Bewusstsein umfassen (z.B. Koma, Vegetativer Zustand oder Minimaler Bewusstseins Zustand). Wenn die Kriterien für Hirntod nicht erfüllt sind, dann ist die Grenze zwischen Tod und Leben nicht überschritten, gleich wie schwer oder irreversibel die Hirnschädigung auch sein mag.“

Damit bewegt sich die Akademie auf der bereits von Papst Johannes Paul II. in seinem Vortrag beim Internationalen Kongress für Organverpflanzung am 29. August 2000 in Rom vorgegebenen Linie. In diesem Vortrag weist Papst Johannes Paul II. darauf hin, „daß das heute angewandte Kriterium zur Feststellung des Todes, das völlige und endgültige Aussetzen jeder Hirntätigkeit, nicht im Gegensatz zu den wesentlichen Elementen einer vernunftgemäßen Anthropologie steht, wenn es exakt Anwendung findet. Daher kann der für die Feststellung des Todes verantwortliche Arzt dieses Kriterium in jedem Einzelfall als Grundlage benutzen, um jenen Gewißheitsgrad in der ethischen Beurteilung zu erlangen, den die Morallehre als „moralische Gewißheit“ bezeichnet. Diese moralische Gewißheit gilt als notwendige und ausreichende Grundlage für eine aus ethischer Sicht korrekte Handlungsweise.”

Auch andere Kriterien sind für die ethische Zulässigkeit der Organtransplantation unverzichtbar. Dazu gehört die vollständige Freiwilligkeit der Spende, die bei einer reinen Widerspruchslösung übrigens auch für Weihbischof Losinger (S. 6) nicht gewährleistet ist. Diese Freiwilligkeit setzt die vollständige Aufklärung der Beteiligten ebenso voraus, wie sie kommerzielle Interessen ausschließt. Wer seine Organe aus wirtschaftlicher Not spendet, der tut es nicht vollständig freiwillig.

Entscheidend ist und bleibt aber die strikte Einhaltung des Hirntodkriteriums und insbesondere die Frage: Ist gewährleistet, dass vor einer Organentnahme gründlich und korrekt geprüft wird, ob der Hirntod (vollständig und unwiderruflich!) wirklich vorliegt? Können Inhaber eines Organspendeausweises sicher sein, dass ihre Spendereigenschaft ihnen bei bewusstloser Einlieferung ins Krankenhaus nicht zum Nachteil gereicht?

Das deutsche Transplantationsgesetzt schreibt hierzu u. a. zwei Untersuchungen durch voneinander unabhängige und an der Organentnahme unbeteiligte Ärzte vor, die noch dazu umfassend dokumentiert werden müssen. „Wegen der strengen gesetzlichen Bestimmungen zur Hirntoddiagnostik“, sagt die Geschäftsführende Ärztin der Deutschen Stiftung Organtransplantation Dr. Ulrike Wirges, „wird kein Mensch so gut auf Lebensspuren untersucht wie ein möglicher Organspender“ ( Siehe NOVITAS. Das Magazin für Versicherte und Freunde der Novitas BKK, Nr. 1/März 2012, S. 17).

In der Tat: Ein Arzt, dem die Manipulation eines Hirntodprotokolls nachgewiesen würde, wäre in jeder Hinsicht erledigt. Hinzu kommt: In einem solchen Fall müssten zwei Ärzte gemeinsame Sache machen und darüber hinaus sicherstellen, dass Krankenschwestern und Krankenpfleger entweder nichts bemerkten oder nichts verrieten.

Das schließt dennoch nicht aus, dass beruflicher Erfolgsdruck unsensiblen Umgang mit Angehörigen, honorarorientierte Moralaufweichungen und sogar kriminelles Verhalten hervorrufen kann. Es gibt dagegen keine Garantie. Wollte man aber deshalb die gesamte Tranplantationsmedizin abschaffen, so würde man nicht nur das Kind mit dem Bade ausschütten. Man dürfte sich auch als Gesunder im Grunde überhaupt nicht mehr zum Arzt wagen.

Abgelegt unter Allgemein, Gute Taten, Politik, Religion | Keine Kommentare

Spenden-Experiment: Wirtschaftliche Zusammenarbeit und humanitäre Hilfe

Caroline Stollmeier am 14. Februar 2012

In Deutschland wird vieles streng kontrolliert und dokumentiert. Die Mensche wollen Sicherheit. Und Papier ist geduldig. Ein Prüfsiegel, ein Qualitätsbericht oder ein Testergebnis spiegeln jedoch nicht immer wider, was einem persönlich wichtig ist. Im Rahmen unseres Spenden-Experiments haben wir uns selbst die Vorgabe gemacht, dass unsere Spende am Ende zum Menschenlebenretten beitragen soll. Aber welche Bewertungskriterien sind dafür ausschlaggebend?

Die Großen – Oxfam, Unicef & Co.

Zunächst liegt es nahe, große und bekannte Organisationen unter die Lupe zu nehmen. Oxfam Deutschland e.V. hat Moralblog bereits beispielhaft vorgestellt. Den meisten Menschen bekannt dürfte auch UNICEF Deutschland sein. Diese Hilfsorganisation setzt sich vor allem für die Recht von Kindern ein. Im Geschäftsbericht 2010 wird ausgewiesen, dass von jeder 100-Euro-Spende rund 85 Euro für die „weltweite UNICEF-Arbeit eingesetzt“ wurden. Noch eine andere Angabe ist mir jedoch aufgefallen: Mehr als die Hälfte der Spendeneinnahmen wurden von UNICEF zweckgebunden bereitgestellt. Und dem Zweck „Überleben von Kindern sichern“ wurden nur etwa 9 % dieser Spenden zugeführt. Zugegeben, ein relativ großer Anteil (etwa 53 %) floss in die Nothilfe. Hier kann man wohl davon ausgehen, dass auch mit diesem Geld Menschenleben gerettet wurden.

Große Organisationen verstehen ihr Kommunikations-Handwerk. Von Broschüren und Websites schauen uns große Kinderaugen entgegen, Geschäftsberichte wirken transparent, Ansprechpartner scheinen immer verfügbar. Es fällt mir wirklich schwer zu beurteilen ob es Unterschiede in der Glaubwürdigkeit gibt. Und das soll selbstverständlich nicht bedeuten, dass ich davon ausgehe, dass Organisationen mit weniger öffentlichkeitswirksamen Auftreten deshalb unglaubwürdiger sind. So komme ich also nicht weiter…

In der Nähe – das Friedensdorf

Vielleicht ist der Zugang zu Hilfsorganisationen, die in räumlicher Nähe aktiv sind, einfacher? Zusammen mit einigen Lesern hat die Moralblog-Redaktion deshalb das Friedensdorf International im benachbarten Dinslaken besucht. Das Friedensdorf ist in den 60er Jahren aus einer Bürgerbewegung hervor gegangen. Der Verein kümmert sich inzwischen um etwa 1.000 Kinder pro Jahr, die lebensbedrohlich erkrankt oder verletzt sind und denen aufgrund von Krieg oder anderen Krisen in ihren Heimatländern nicht geholfen werden kann. Die Kinder werden nach Deutschland gebracht, haben hier in der Regel längere Krankenhausaufenthalte durchzustehen und bleiben dann mehrere Wochen oder sogar Monate im Friedensdorf, bis sie gesund genug für die Heimreise zu ihren Familien sind. Wir haben einen guten Eindruck von der Arbeit im Friedensdorf, die unzweifelhaft Menschenleben rettet. Beeindruckt sind wir auch vom Umfang der ehrenamtlichen Arbeit, die dort geleistet wird. Trotz dieses Engagements kostet die Betreuung eines Kindes im Friedensdorf pro Tag etwa 50 Euro, wie Heike Bruckmann erklärt, die uns durch das Dorf geführt hat. Und die Kosten für den Hin- und Rückflug sind dabei noch nicht eingerechnet.

Freunde fragen – Gemeinden, Kindergärten, Patenschaften

Eine weitere Überlegung war, unsere Freunde und Bekannten zu fragen, wohin sie regelmäßig spenden bzw. welche Organisation sie gerne unterstützen. Einige gaben an, dass sie ihrer Kirchengemeinde oder einem Kindergarten in ihrer Nähe Geld geschenkt hätten. Und einige haben „Patenschaften“ für Kinder in wenig entwickelten Ländern übernommen; beispielsweise vermittelt von Plan Deutschland. Während die Einen sicher waren, dass ihre Spende in ihrem unmittelbaren Umfeld Gutes bewirkt, waren die Anderen vor allem vom Briefkontakt mit ihren „Patenkindern“ beeindruckt, der ihnen ein Gefühl dafür vermittelt, dass ihre Spende ankommt.

Keine Frage, in unseren Kirchengemeinden und Kindergärten fehlt oft das Geld an allen Ecken und Enden. Aber Leben werden dort in der Regel nicht. Und „Patenkinder“ sind ein Thema für sich. Inzwischen sind die meisten nachhaltig arbeitenden Organisationen dazu übergegangen keine Spenden mehr einzelnen Kindern bzw. deren Familien zukommen zu lassen, sondern mit ihren Projekten ganze Dörfer oder Regionen zu unterstützen. Häufig sind es Projekte, die bessere Bildung (und nicht die Rettung von Menschenleben) zum Ziel haben. Das Patenschaftskonzept dient dabei eher der Spendergewinnung und -bindung.

Entwicklungshilfe – Armutsbekämpfung im Vordergrund?

Die Bundesrepublik Deutschland gibt viel (Steuer-) Geld für so genannte Entwicklungshilfe aus; die Armutsbekämpfung spielt dabei nach eigenen Angaben eine wichtige Rolle. Das zuständige Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (kurz: BMZ) erklärt, dass Entwicklungshilfe unterschiedlich funktioniert: Entweder durch direkte Zusammenarbeit mit Regierungen oder Organisationen in Partnerländern, über den Umweg der Europäischen Union oder durch Unterstützung von internationalen (Nichtregierungs-) Organisationen. Im Haushaltsjahr 2011 standen dem BMZ 6,22 Milliarden Euro zur Verfügung.

Entwicklungshilfe wird oft kritisiert, da sie anscheinend weniger humanitäre als vielmehr wirtschaftliche Interessen in den Vordergrund stellt. Das BMZ selbst sagt dazu: „Von Entwicklungszusammenarbeit profitieren nicht nur die Empfängerländer, sondern auch die Geber. Das gilt ganz besonders für die Exportnation Deutschland. (…) Jeder Euro, den wir für Entwicklung in unseren Partnerländern ausgeben zieht deutsche Exporte von 1,80 Euro nach sich.“ Das ist an sich ja nicht verwerflich. Aber betrachten wir diesen Aspekt doch einmal vor dem Hintergrund der Armutsbekämpfung…

Die 10 Länder, die die Rangliste der Empfänger deutscher Entwicklungshilfe im Jahr 2010 angeführt haben, sind: Indien, China, Afghanistan, Brasilien, Indonesien, Pakistan, Ägypten, Serbien, Tansania und die Türkei. Das wechselkursbereinigte Pro-Kopf-Einkommen ist ein relativ guter Indikator für die Armut in einem Land. Dazu gibt die Weltbank Ranglisten heraus: Im Jahr 2010 war Indien dort auf Platz 153, China auf Platz 118, Afghanistan auf Platz 200, Brasilien auf Platz 96, Indonesien auf Platz 147, Pakistan auf Platz 163, Ägypten auf Platz 127, Serbien auf Platz 95, Tansania auf Platz 186 und die Türkei auf Platz 79. Nach diesem Maßstab zählt also – außer Afghanistan – keines der von Deutschland am meisten geförderten Länder zu den ärmsten der Welt!

Hilfsorganisationen, die vom BMZ finanziell unterstützt werden, müssen BMZ-Kriterien erfüllen. Und nach meinem Eindruck mag die Verteilung der Gelder für Entwicklungshilfe zwar ein Indikator für Allerlei sein. Aber ein Gradmesser für (erfolgreiche) humanitäre Hilfe ist sie nicht.

Moralblog-Besuch im Friedensdorf International

Moralblog-Besuch im Friedensdorf International in Dinslaken

(Foto: Caroline Stollmeier)

Abgelegt unter Allgemein, Gute Taten, Spenden-Experiment | Keine Kommentare

Duisburger Integrationspreis für Gülseren Gümüs

Harald Stollmeier am 15. Juli 2011

Gülseren Gümüs, die Gründerin des Güldeste Wohltätigkeitsvereins e. V., erhielt am 8. Juli aus der Hand von Novitas BKK-Vorstand Reiner Geisler den zum zweiten Mal vergebenen Duisburger Integrationspreis der Novitas BKK – als Auszeichnung für ein Leben im Dienst anderer Menschen. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und steht unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters von Duisburg.

Reiner Geisler überreicht Gülseren Gümüs den Duisburger Integrationspreis. Bild: Novitas BKK/MvdB

Reiner Geisler überreicht Gülseren Gümüs (Mitte) den Duisburger Integrationspreis. Bild: Novitas BKK/MvdB

“Duisburg ist reich an Menschen, die ihre Talente wegen unvollkommener Integration weder ausschöpfen noch einbringen können“, erklärte Reiner Geisler in seiner Laudatio, „wenn alle diese Menschen begreifen, was sie können, und ihr Können in unserer Stadt entfalten, dann wird unsere Stadt reich. Und das werden wir dann Menschen wie Gülseren Gümüs verdanken.“

Mit ihrem Verein organisiert Gülseren Gümüs unter anderem eine Theaterwerkstatt, eine Lese- und Schreibwerkstatt und eine Hausaufgabenbetreuung für Kinder sowie einen Kreativkreis für Frauen. Ihr Engagement hilft behinderten und nichtbehinderten Menschen mit und ohne Migrationshintergrund und trägt zu einer besseren Lebensqualität in Duisburgs Stadtteil Hochfeld bei.

„Integration kann nicht verordnet werden“, erklärte Oberbürgermeister Adolf Sauerland, „Integration muss gelebt werden. Gülseren Gümüs tut das in beispielhafter Weise. Und die Novitas BKK trägt mit ihrem eigenen Engagement für Migranten ebenso wie mit dem von ihr gestifteten Duisburger Integrationspreis dazu bei.“

Gülseren Gümüs, deren 2011 in türkischer Sprache erschiene Autobiographie Engel duvari bereits die zweite Auflage erlebt,stellte in einem Vortrag die vielseitige Arbeit von Güldeste vor und wertete ihre Ehrung als Ermutigung: „Ich werde für die Kinder, für die Menschen und für Duisburg weiterarbeiten, so lange meine Kraft reicht.“

Abgelegt unter Allgemein, Gute Menschen, Gute Taten, Integration | Keine Kommentare

Darfur – helfen verboten?

Harald Stollmeier am 14. Juni 2011

Während sich die Augen der Weltöffentlichkeit auf die arabischen Länder der Mittelmeerküste richten, nimmt die Katastrophe im westsudanesischen Darfur ihren Lauf. Schon seit acht Jahren führen dort arabische Reitermilizen („Janjaweed“ = Teufel zu Pferde) einen Stellvertreterkrieg gegen die sesshaften schwarzafrikanischen Fur, Masalit und Zaghawa, zunehmend mit Hubschraubern und anderer hochtechnischer Ausrüstung, die sie von der islamistischen Regierung in Khartum erhalten. Die Zahl der Todesopfer wird auf 200 000 bis 400 000 geschätzt, wobei ein großer Teil davon nicht durch direkte Kampfeinwirkung sondern durch Hunger und Seuchen umgekommen ist.

Was in Darfur geschieht, hat viel Ähnlichkeit mit den ethnischen Säuberungen in Bosnien-Herzegowina und später im Kosovo. Die Beweise für die entscheidende Rolle der Regierung in Khartum reichten dem Internationalen Strafgerichtshof aus, um am 12. Juli 2010 wegen Völkermords einen internationalen Haftbefehl gegen den sudanesischen Staatspräsidenten Umar Hasan Ahmad al-Baschir auszustellen. Zur Verhaftung al-Baschirs ist es allerdings noch nicht gekommen; eine Polizei hat der Internationale Strafgerichtshof ja nicht.

Aber zu Reaktionen der sudanesischen Regierung ist es gekommen: Sie hat die meisten ausländischen Hilfsorganisationen ausgewiesen und macht den wenigen verbliebenen die Arbeit so schwer wie möglich. Nach einer kurzen Unterbrechung wegen Friedensverhandlungen zwischen den Fur-Milizen und der sudanesischen Regierung haben die Janjaweed im Frühjahr 2011 ihre Angriffe wieder aufgenommen.

Die humanitäre Lage ist bedrückend. „In Zalingei, der Hauptstadt der Fur“, berichtet Dr. Abdelmoula Kangoum vom Deutsch-Afrikanischen Ärzteverein in der Bundesrepublik Deutschland, „ist die Einwohnerzahl durch Flüchtlinge von 60 000 auf fast 890 000 angestiegen. In der ganzen Stadt gibt es vier Ärzte, nur einer davon ist ein Facharzt. Die Hygieneprobleme sind dramatisch.“

Der Deutsch-Afrikanische Ärzteverein in der Bundesrepublik Deutschland (2010 mit dem Duisburger Integrationspreis ausgezeichnet)  und der Afrikanische Ärzteverein in Skandinavien wollen dieser Situation mit einem straff konzipierten Hilfsprojekt begegnen. Sie planen den Bau von Latrinen, den Bau von Brunnen, ein umfassendes Impfprogramm mit Schulung von Impfhelfern und die gezielte Bekämpfung und Prävention von Durchfallerkrankungen.

Das Projekt ist auf 18 Monate angelegt. Während dieser Zeit wollen je drei Ärzte für je drei Monate unentgeltlich vor Ort arbeiten; die meisten von ihnen stammen aus der Region und sind mit deren Sprache und Kultur vertraut. Ziel des Projekts ist nachhaltige Hilfe vor allem durch Ausbildung und Aufklärung örtlicher Helfer.

Warum hoffen die Deutsch-Afrikanischen Ärzte, in Darfur helfen zu dürfen, während die meisten, wenn nicht alle anderen Organisationen die Region verlassen müssen?

„Die Regierung in Khartum hat uns signalisiert“, berichtet Dr. Kangoum, „dass wir in Darfur helfen dürfen, vielleicht weil sie weniger Sorge hat, wir könnten durch westliche Regierungen instrumentalisiert werden. Es ist sogar für die sudanesische Regierung offensichtlich, dass wir keine ‚christlich-zionistischen Agenten‘ sind. Eine Rolle spielen vielleicht auch die Friedensverhandlungen, die in Quatar zwischen der sudanesischen Regierung und den darfurischen Rebellen begonnen haben.“

Das Hilfsprojekt der Afrikanischen Ärzte wird von verschiedenen Förderern mit Sachspenden unterstützt; die Ärzte selbst arbeiten gratis. Deshalb belaufen sich die voraussichtlichen Gesamtkosten auf nicht mehr als 352 000 Euro, in denen Kosten für Arzneimittel, Flüge und ein Geländefahrzeug enthalten sind.

„Darfur ist meine Heimat“, sagt Dr. Abdelmoula Kangoum, „und deshalb geht mir das Leid der Betroffenen besonders nah. Es kommt hinzu, dass meine Kollegen und ich dort nützlicher sein können als andere Helfer, weil wir nicht als Fremde kommen. Vor allem aber sind wir jetzt wegen der politischen Lage die einzigen, die helfen dürfen. Wenn wir nicht helfen, sind die Menschen in Darfur allein.“

Das Spendenkonto des Deutsch-Afrikanischen Ärztevereins in der Bundesrepublik Deutschland e. V. ist:

Kontonummer: 4613907
bei der

Commerzbank AG Duisburg
Bankleitzahl: 350 400 38

(Gemeinnützigkeit anerkannt vom Finanzamt Duisburg – Süd, Landfermannstrasse 25, 47051 Duisburg - Steuernummer 109/5842/0523)

Abgelegt unter Allgemein, Gerechtigkeit, Gute Taten, Politik, Spenden-Experiment | Keine Kommentare

Ein großer Wurf für die Menschheit

Harald Stollmeier am 28. April 2011

Rezension: Peter Singer, Leben retten. Wie sich die Armut abschaffen lässt und warum wir es nicht tun, aus dem Amerikanischen von Olaf Kanter, Arche Literaturverlag, Zürich-Hamburg 2010.

9783716026298

Ein Kleinkind fällt in einen Teich. Sie können sein Leben retten. Ihre neuen Schuhe gehen dabei drauf. Zögern Sie?

Die meisten Menschen, sagt der Philosoph Peter Singer, würden keine Sekunde zögern, dieses Kleinkind um den Preis ihrer neuen Schuhe und einiger weiterer Unannehmlichkeiten zu retten. Die meisten Menschen in den reichsten Ländern der Welt, ergänzt Singer, nehmen aber den genauso leicht zu verhindernden Tod von Kleinkindern in den ärmsten Ländern der Welt ohne Gewissensbisse hin. Und das können wir ändern.

Mit harten Fakten belegt Singer, dass eine nachhaltige Bekämpfung der Armut, ja sogar ihre Abschaffung, in unserer Reichweite liegt, und das ohne schmerzlichen Verzicht. Er stellt dabei nicht nur ebenso nützliche wie erfolgreiche Projekte vor sondern auch wirksame Initiativen, die sich der Bewertung und Verbesserung der Qualität von Hilfs- und Entwicklungsprojekten verschrieben haben, vorrangig GiveWell, und deren Bewertungen zudem öffentlich zugänglich sind.

Entwicklungshilfe lohnt sich, sagt Singer, und widerlegt den Mythos vom Fass ohne Boden durch einen kritischen Blick in das Fass: Es ist wahr, dass der Westen in den vergangenen 50 Jahren 2,3 Billionen Dollar an Entwicklungshilfe geleistet hat. Aber erstens sind das trotzdem nur 0,3 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt der Geberländer, und zweitens ist der größte Teil davon gar nicht an die ärmsten Länder der Welt gegangen sondern an Länder, in denen der Westen strategische Interessen verfolgte. Das ist nichts Unmoralisches. Aber Geld, das in den Irak oder nach Kolumbien fließt, kann nun einmal nicht die Armut in Malawi bekämpfen.

Es geht Singer nicht um Politik, es geht ihm um das, was jeder Einzelne tun kann. Und wenn man bedenkt, dass die Rettung eines Menschenlebens in Ländern wie Malawi bei kritischer Bewertung nur 200 bis 500 Dollar kostet, dann macht, was der Einzelne tun kann, einen wirklich großen Unterschied. Und wenn es 1 000 Dollar wären: Wie oft geben wir Geld in solchen Größenordnungen für Dinge aus, die weniger wert sind als ein Menschenleben?

Neu ist an Singers Argumentation nicht diese Gegenüberstellung. Neu ist ihre Anwendung auf Menschen in Afrika, die wir niemals kennenlernen werden, auf Menschen, deren Schicksal uns im Allgemeinen nicht persönlich berührt. Singer hat recht: Diese Menschen sind genau so viel wert wie wir selbst, und wenn es wahr ist, dass wir sie retten können, dann haben wir eine ethische Verpflichtung, das auch zu tun.

Mir persönlich plagt sich Singer zu lange mit der Frage, ob wir gegebenenfalls verpflichtet sind, unsere eigenen Kinder zu opfern, um fremde zu retten (Singer sagt: Ja), und zu kurz mit der Frage, ob nicht die Abschaffung von Handelsbarriereren und Subventionen den ärmsten Ländern der Welt am meisten helfen würden (Singer sagt: Ja, ist aber nicht durchsetzbar). Aber Singer beweist nicht nur, dass jeder einzelne seiner Leser mit erträglichen Belastungen spürbare Verbesserungen für die Ärmsten erreichen kann, er legt auch ein plausibles und gar nicht rigides Modell dafür vor, wie man die eigenen Spendenpflichten berechnen kann. Und er belegt: Helfen macht den Helfer glücklicher, oder wie er den inzwischen verstorbenen Tierrechtsaktivisten Henry Spira zitiert (S. 228): „Ich glaube, jeder möchte am Ende in der Lage sein zu sagen, dass sein Leben mehr war, als zu konsumieren und Müll zu produzieren. Und ich denke, jeder möchte im Rückblick auf sein Leben gerne das Fazit ziehen, dass er alles gegeben hat, um diese Welt für andere besser zu machen.“

Weitere Informationen auf der internationalen Website zum Buch.

Abgelegt unter Allgemein, Gute Bücher, Gute Taten, Spenden-Experiment | Keine Kommentare

Integration: Nicht alle Muslime sind gleich

Harald Stollmeier am 18. März 2011

„Die Deutschen sind keine Rassisten“, sagt Dr. Abdelmoula Kangoum, „und in Wirklichkeit ist es für Einwanderer ganz einfach, mit ihnen in Frieden zu leben: Man muss sich unauffällig kleiden, man muss einigermaßen gut Deutsch sprechen, und man muss sich an ein paar einfache Regeln halten. Die wichtigste davon heißt: Nicht laut reden.“

Abdelmoula Kangoum ist in Darfur im Sudan geboren und aufgewachsen, studierte unter anderem in Münster Medizin und hat viele Jahre als Arzt in Deutschland und in den USA gearbeitet. Heute forscht und lebt er in Duisburg und in Linköping/Schweden.

Wie viele Afrikaner ist er Muslim – und sieht darin keinen Widerspruch zu Menschenrechten, Demokratie und einem friedlichen Zusammenleben. „Im Koran steht ausdrücklich“ sagt Dr. Kangoum, „wer einen Menschen tötet, der tötet die ganze Menschheit. Das finden Sie in der fünften Sure. Wer sich zur Rechtfertigung von Gewalt auf den Koran beruft, tut Unrecht.“

Für Islamisten hat Dr. Kangoum nicht viel übrig – schon allein wegen der schrecklichen Dinge, die sein Volk von der islamistischen Diktatur in Khartum erdulden muss –, und die beste aller Welten ist die islamische Welt von heute für ihn nicht. Als Vorsitzender des Deutsch-Afrikanischen Ärztevereins in der Bundesrepublik Deutschand engagiert er sich seit Jahren für eine bessere medizinische Versorgung von Afrikanern in Afrika und Europa. Dazu gehört die Bekämpfung der oft fälschlich mit dem Islam begründeten Genitalverstümmelung von Mädchen. Kritik an Missständen findet Dr. Kangoum berechtigt.

„Aber es beginnt mir auf die Nerven zu gehen“, sagt er, „dass ich als Muslim immer mehr unter Rechtfertigungsdruck stehe und dass immer mehr Menschen in Deutschland den Islam mit Barbarei gleichsetzen. Das ist trotz der vielen schlechten Nachrichten aus der islamischen Welt ein großes Unrecht. Muslime gehören zu einer Kultur, die der abendländischen lange überlegen war und schon vor über 1000 Jahren den Grundstein für die Naturwissenschaften von heute legte. Selbst unter gebildeten Europäern wissen nicht viele, was die Welt muslimischen Forschern wie al-Chwarizmi, Ibn Sina und Ibn Rushd verdankt. Und auch wenn das lange her ist, gehört es zu einem vollständigen Bild des Islam unbedingt dazu.“

_7084552+HS+-+Kangoum Kopie

Als Abdelmoula Kangoum nach Deutschland kam, war er ein Exot – ein willkommener Exot. „Es ist oft vorgekommen“, erinnert er sich, „dass ich in der Gaststätte mein Abendessen bezahlen wollte und der Kellner zu mir sagte: Die Menschen an dem Tisch dort haben für Sie bezahlt.“ Noch heute fühlt er sich in Deutschland wohl, wird regelmäßig freundlich gegrüßt und angelächelt. Sorgen macht er sich um die Afrikaner, die unter oft abenteuerlichen Bedingungen nach Deutschland kommen und dann, zum Teil illegal, unter erbärmlichen Bedingungen leben.

„Diese Menschen haben es schon schwer genug“, sagt er, „auch ohne dass die Regierungschefin dieses Landes sich den Kampfbegriff Multikulti zu eigen macht. Mit der Aussage „Multikulti ist gescheitert“ ruft sie ja nicht zu mehr Differenzierung auf, sondern sie ermutigt Abgrenzung und Feindseligkeit. Dabei gewinnen auch die Deutschen nicht. Natürlich darf Deutschland von seinen Einwanderern Integrationsbereitschaft verlangen.

Aber die Einwanderer sind darauf angewiesen, dass man sie als Individuen ernst nimmt, anstatt ihnen mit Schubladendenken zu begegnen. Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe ist eine wichtige Eigenschaft, aber man darf Menschen nicht darauf reduzieren. Ein Freund von mir ist ein gutes Beispiel dafür, wie kontraproduktiv das sein kann: Als er nach Deutschland kam, trank er Whiskey, flirtete mit Frauen und war in religiösen Dingen tolerant. Aber man akzeptierte nicht, dass er so war, fragte ihn immer wieder, ob er nicht als Muslim anders sein müsse. Heute ist mein Freund ein strenggläubiger Muslim, der es mit den Geboten sehr genau nimmt.“

Moralblog veröffentlicht einen Aufsatz von Abdelmoula Kangoum über den muslimischen Beitrag zur modernen Wissenschaft.

Abgelegt unter Allgemein, Gute Taten, Integration, Religion | Keine Kommentare

Denkmal für Ungeborene

Harald Stollmeier am 15. Januar 2011

Denkmäler für Fürsten, Krieger und Politiker gibt es zuhauf. Mahnmale für die Opfer staatlichen Unrechts gibt es zumindest in Deutschland. Denkmäler für ungeborene Kinder muss man lange suchen. Eines steht seit Oktober 2010 in Jerusalem. Aufgestellt hat es ein deutscher Franziskaner.

“Mortem obiit prae nativitate“ – frei übersetzt: „Vor der Geburt gestorben.” So lautet die Inschrift des Denkmals an der Kirche Dominus flevit auf dem Ölberg in Jerusalem. “Dominus flevit” heißt “der Herr weinte” – an dieser Stelle soll Christus geweint haben, als er die Zerstörung Jerusalems voraussagte (Lukas 19, 41-44). Die tränenförmige Kirche aus dem Jahr 1955 steht auf den Fundamenten einer byzantinischen Kirche aus dem sechsten Jahrhundert. Sie gehört dem Franziskanerorden.

Foto: P. Robert Jauch OFM

“Das Denkmal schmückt tatsächlich das Grab eines im Mutterleib gestorbenen Kindes, einer sogenannten Fehlgeburt”, berichtet Pater Robert Jauch OFM, von 2007 bis 2010 Hüter der Kirche Dominus flevit, “wir konnten auf Wunsch der Eltern die Bestattung des Kindes ermöglichen – ähnlich wie in Deutschland enden totgeborene Kinder unter 500 Gramm Körpergewicht auch in Israel sehr oft im Klinikabfall.” 

Foto: P. Robert Jauch OFM

(Fotos: P. Robert Jauch OFM)

Das Denkmal auf dem Grab hat die Form einer abgebrochenen Säule. Wie das Leben der ungeboren verstorbenen Kinder ist sie zu kurz. “Das Denkmal gilt allen Kindern, die vor ihrer Geburt gestorben sind”, sagt Pater Robert, “aber ganz besonders gilt es den unzähligen Opfern von Schwangerschaftsabbrüchen. Viel zu oft wird vergessen, dass diese Kinder genauso Menschen sind wie alle anderen, für die wir auf den Friedhöfen beten. Also beten wir auch für sie.”

Abgelegt unter Allgemein, Gute Taten, Religion | 2 Kommentare

Duisburger Integrationspreis der Novitas BKK ehrt afrikanische Ärzte

Harald Stollmeier am 10. August 2010

„Das Wichtigste bei unserer Arbeit ist das Vertrauen der Menschen, die wir beraten“, sagt die Ärztin Dr. MBoyo Likafu, „denn die Beschneidung der weiblichen Genitalien ist ein Tabu im Tabu. Keine Frau geht einfach zum Arzt und sagt, dass sie beschnitten ist. Und keine Kindergärtnerin kommt ein zweites Mal mit der Bitte um Hilfe für ein kleines Mädchen zu uns, wenn sie ihren Namen anschließend in der Zeitung sieht.“

Den meisten Afrikanern in Deutschland könnte es wesentlich besser gehen. Aber sie wissen es nicht: Sprachprobleme und kulturelle Barrieren bewirken einen Randgruppenstatus, der seinerseits die Überwindung von Bräuchen wie Kinderehen und die Beschneidung der weiblichen Genitalien erschwert. Auf diesem Gebiet engagieren sich die Mitglieder des Deutsch-Afrikanischen Ärztevereins in der BRD e. V. – und dafür konnten der Vereinsvorsitzende Dr. Abdelmoula Kangoum und Vorstandsmitglied Dr. MBoyo Likafu am 8. Juli 2010 den mit 2 500 Euro dotierten Duisburger Integrations­preis der Novitas BKK entgegennehmen. 

“Mit den hier verbreiteten Methoden“, erläutert Dr. Kangoum, „erreicht man bei Afrikanern und Arabern nicht das gewünschte Verständnis. Man muss bei der Aufklärung über Genital­be­schneidung die Familienstrukturen berücksichtigen und an die Männer beziehungsweise Väter herantreten. Nur dann hat man Erfolg. Für uns ist das natürlich leichter – auch aus sprachlichen Gründen.“

 „Geld ist nicht alles“, urteilte Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland, Schirmherr des neugestifteten Preises, „entscheidend ist das Engagement der Menschen. Der Deutsch-Afrikanische Ärzteverein ist durch sein humanes Engagement ein würdiger erster Träger dieses Preises.“ Herzlich dankte Oberbürgermeister Sauerland der Novitas BKK für ihre Initiative: „Dieser Preis passt zu unserer Stadt.“

 „Afrikanische Frauen zum Beispiel haben nichts von ihren Rechten und Möglichkeiten, wenn sie diese gar nicht kennen“; erklärte der Novitas BKK-Vorstandsvorsitzende Ernst Butz in seiner Laudatio, „im Deutsch-Afrikanischen Ärzteverein haben diese Menschen einen kompetenten und engagierten Anwalt und Berater. Sie brauchen ihn dringend.“

Die Novitas BKK hat den Duisburger Integrationspreis gestiftet, um bürgerliches Engagement zu fördern, vor allem aber um durch öffentliches Reden über gute Beispiele möglichste viele Menschen zu eigenem Engagement zu ermutigen. Ernst Butz: „Wenn viele von uns kleine Hilfen leisten, dann tragen wir dazu bei, dass aus Fremden Mitbürger werden.“

Abgelegt unter Allgemein, Gute Menschen, Gute Taten | 2 Kommentare

„Als Christ muss man helfen wo Hilfe gebraucht wird – egal was der Papst dazu sagt.“

Caroline Stollmeier am 2. Juni 2010

Die katholische Kirche hat sich im Jahr 2000 aus der Schwangerenkonfliktberatung zurückgezogen. Dieser Schritt hat viele Menschen verärgert. Diplom-Pädagogin Ulla Beckers gehört dazu: „Ich habe sieben Jahre im Caritasverband gearbeitet und Frauen beraten. Und von heute auf morgen soll alles falsch gewesen sein, was ich bis dahin gemacht habe?“ Ihre Gefühle von damals beschreibt sie am liebsten bildhaft: „Unsere Bischöfe habe sich gewünscht, dass die Frauen standhaft sind und zugunsten ihres ungeborenen Kindes nicht den Forderungen ihrer Familien und Männer nachgeben. Aber genau zu dieser Standhaftigkeit waren sie selber nicht in der Lage und haben stattdessen das ungeliebte Kind ‚Schwangerenhilfe’ abgetrieben.“

„Als Christ muss man helfen wo Hilfe gebraucht wird – egal was der Papst dazu sagt.“, ist der Rentner Alois Bassier überzeugt. Ihm liegen die ungeborenen Kinder und die werdenden Mütter in Not am Herzen.

Als Ulla Beckers und Alois Bassier sich zufällig kennen lernen entsteht die Idee für die Beratungsstelle „Haus im Hof“, die inzwischen seit zehn Jahren erfolgreich in Duisburg-Marxloh Schwangere, Paare, Familien und Schüler berät und aufklärt. „Die Schwangerenberatung ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit, aber ich komme auch immer wieder auf das Thema Verhütung zu sprechen. Sie können sich nicht vorstellen, was ich da manchmal zu hören kriege…!“, verrät Ulla Beckers im Moralblog-Interview.

Wer ungewollt schwanger ist darf unter bestimmten Bedingungen in Deutschland straffrei abtreiben. Dafür ist unter anderem der Nachweis einer staatlich anerkannten Konfliktberatung erforderlich. Im „Haus im Hof“ können Frauen diese Beratung bekommen. „Wenn wir keine Scheine ausstellen würden, dann käme doch keiner.“, meint Alois Bassier. Und Ulla Beckers stimmt ihm zu: „Das weiß ich aus Arbeitskreisen mit anderen Beratungseinrichtungen.“

Die typische Beratungssituation im „Haus im Hof“ gibt es nicht, weil die Erfahrungen und Lebensgeschichten der Frauen, die dort Hilfe suchen, zu individuell verschieden sind. „In vielen Fällen fühlen sich Frauen aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage, ein Kind zu bekommen; einer davon sind Depressionen.“, erzählt Ulla Beckers. „Es kommt vor, dass die Frauen von ihren Eltern oder ihrem Partner zur Abtreibung gedrängt werden. Und immer häufiger haben junge Frauen Angst um ihren Ausbildungsplatz oder ihre Arbeitsstelle.“

In der Beratung werden alle Möglichkeiten besprochen. Wie könnte das Leben mit oder ohne dieses Kind weiter gehen? Manchmal sind Dinge ausschlaggebend, die einem als Kleinigkeit erscheinen können: Begleitung bei Behördengängen oder Geld für einen Kinderwagen. Die Beraterinnen im „Haus im Hof“ kennen sich damit aus, welche Fördermöglichkeiten es gibt. Und dank treuer Spender und Unterstützer (übrigens auch aus Kirchenkreisen) können sie auch darüber hinaus einspringen, wenn es nötig ist.

„Mut macht den Frauen oft, dass jemand einfach sagt: Ich verstehe, dass du ein Problem hast.“, erzählt Ulla Beckers. „Wenn man beispielsweise jung schwanger wird, dann ist das nicht der gerade Weg. Aber es gibt Umwege und Schleifen, die man gehen kann. Und wir gehen mit.“, sagt sie.

Alois Bassier kümmert sich um das Fortbestehen der Beratungsstelle. Reparaturen am Haus erledigt er nach Möglichkeit selbst. Außerdem wirbt er unermüdlich um finanzielle Unterstützung und Akzeptanz für das „Haus im Hof“. Im Büro der Beratungsstelle ist er vor kurzem zufällig mit einer jungen Frau ins Gespräch gekommen. Sie hat ihm ihr Neugeborenes gezeigt und gesagt: „Das wäre ohne Sie nicht da.“ Ein unvergessliches Erlebnis. 

„Als Christ können wir nur unsere Hilfe anbieten, und das müssen wir auch. Entscheiden müssen die Frauen dann aber alleine. Das ist ihr Grundrecht. Und diese Entscheidung müssen wir akzeptieren.“, sagt Alois Bassier. „Und Jesus würde das auch so machen.“, fügt er hinzu.

 

 Haus im Hof

Kaiser-Wilhelm-Str. 278

47169 Duisburg-Marxloh

 

Spendenkonto:

KD-Bank e.G.

Konto: 101 3648 022

BLZ: 350 601 90

Abgelegt unter Allgemein, Gute Menschen, Gute Taten, Religion | 19 Kommentare

Pater Rainer van Doorn: Seelsorge für die Armen

Caroline Stollmeier am 2. Februar 2010

„Leute in Not sind eher bereit die Hände zu falten und zu beten“, stellt Pater Rainer fest und etwas Warmes, Liebevolles liegt dabei in seiner Stimme.

Pater Rainer Wilhelm van Doorn OPraem ist Senior des Konvents der Prämonstratenser und als Ruheständler an der Filialkirche St. Franziskus in Duisburg-Hamborn im aktiven Dienst. „Hilfspriester“ nennt er sich selbst.

Im Gespräch mit Moralblog erzählt Pater Rainer von seinem Leben als Seelsorger für die Armen und seinen Träumen von einer besseren Welt.

Der inzwischen fast 80-jährige gebürtige Niederländer ist geprägt von den Kriegserlebnissen seiner Jugend. „Das war eine ganz, ganz schlimme Zeit. Wir haben als Kinder gesehen, wie Menschen erschossen wurden.“, erinnert er sich. „Die letzten Kriegsjahre haben wir fast jede Nacht im Keller verbracht aus Angst vor den Flugzeugen voller Bomben, die abgeschossen wurden und irgendwo runter gekommen sind. So etwas vergisst man nie. Die Ängste, die man hatte, haben einen total geprägt.“

Gemeinsam mit seinen Klassenkameraden hat er damals überlegt, wie man die Welt besser machen könnte. „Priester zu werden erschien uns eine gute Möglichkeit. Da ist man Lehrer, Sozialarbeiter, alles zusammen.“, erzählt er. „Vier Leute aus meiner Klasse sind Priester geworden. Und alle waren in sozialen Bereichen tätig.“

Inspiriert wurden die jungen Männer damals vor allem auch durch ihren Gemeindepfarrer, einen konvertierten Juden, der später ins KZ gebracht wurde, weil er einem SS-Mann die Kommunion verweigert hat. „Als Kinder haben wir gesehen, wie er auf dem Wagen war, als er abgeholt wurde.“, berichtet Pater Rainer.

Rückblickend sagt Pater Rainer: „In kleinen Dingen hat es geklappt, die Welt besser zu machen. Wir haben hier auf dem Ostacker eine kleine Gemeinde, in der es Ansätze von Geschwisterlichkeit gibt. Unsere Gemeinde ist auch ein Zentrum für arme Leute geworden.“

Tatsächlich ist St. Franziskus am Ostacker etwas ganz Besonderes. Die Kirche hat die Gemeindereform des Bistums Essen zwar überlebt, aber „es ist fast nichts mehr da“, so Pater Rainer. „In der Gemeinde sind nur noch zwei-, dreihundert Leute.“

Heute ist Pater Rainer 35 Jahre dort. Der Stadtteil hat sich in dieser Zeit verändert. „Hier ist alles türkisch geworden.“, erzählt er. „Früher war hier ein sozial schwaches Gebiet. Messerstechereien und Kloppereien waren an der Tagesordnung. Heute ist hier Ruhe.“ Inzwischen gibt es sogar erste Ansätze von Zusammenarbeit mit islamischen Geistlichen. „In religiösen Fragen ist es zwar schwierig, aber die Moscheen haben Probleme die Jugendlichen anzusprechen, genau wie wir.“, sagt Pater Rainer.

„Verwahrloste Kinder sind unser größtes Problem. Jeden Tag gibt es bei uns mittags etwas zu essen für eine Gruppe von Kindern, und eine Schwester macht Schulaufgaben mit ihnen. Ein Mal konnten wir 15 Kinder für zwei Wochen nach Ameland schicken. Das war der erste Urlaub für sie. Und als sie zurück kamen haben sie mich voller Freude und Dank angesprungen.“, erzählt er lachend.

„Bis zu meinem 70. Geburtstag habe ich Schulstunden gemacht. Jetzt ist mein direkter Kontakt zu Jugendlichen nur noch sporadisch.“, so Pater Rainer. „Ich bin zu alt dafür.“ Zu alt ist er jedoch keineswegs für sein unermüdliches Engagement für die Bedürftigen im Duisburger Norden. Er und seine Haushälterin Fräulein Christel Plöderl helfen ganz praktisch: Am 4. Sonntag im Monat organisieren sie mit 15 ehrenamtlichen Helfern einen großen Mittagstisch für 120 Personen, und jeden Montagnachmittag gibt es eine Essensausgabe, zu der regelmäßig etwa 80 Bedürftige kommen. Außerdem haben sie ein „offenes Pfarrhaus“.

„Zu unserem Mittagstisch kommen viele Alleinstehende, aber auch Alleinerziehende mit ihren Kindern und Babys. Das hat sich geändert. Früher kamen Penner, jetzt Hartz-IV-Leute.“, erzählt Pater Rainer. „Und Fräulein Christel ist irgendwie die Mutter von allen. Es kommt vor, dass Menschen aus dem Knast kommen und sich bei ihr zurück melden.“

 

Pater Rainer und Fräulein Christel_klein

Fräulein Christel und Pater Rainer (Foto: Caroline Stollmeier)

 

Die Beiden leben Seelsorge. Sie kennen die bedürftigen Menschen, die immer wiederkommen, und ihre Geschichten. Wer an ihrer Tür klingelt, darf immer auf etwas zu Essen, ein Kleidungsstück und vor allem ein offenes Ohr hoffen.

Für das Mittagessen und bei der Essensausgabe bezahlen die Menschen einen Euro. „Das wollten die Leute selbst so.“, berichtet Pater Rainer, „Die wollen nichts geschenkt.“ Ansonsten wird alles ausschließlich spendenfinanziert.

„Meistens sind es materielle Probleme, die die Leute haben. Aber auch der Alkohol macht die Menschen fertig. Viele sterben früh. Wir machen viel Sterbebegleitung und Beerdigungen hier. Der Bischof hat uns die Erlaubnis gegeben jeden zu beerdigen, egal ob evangelisch, katholisch oder überhaupt getauft. Die Bedürftigen selber organisieren manchmal noch ein Kaffeetrinken, wenn einer von ihnen gestorben ist. Das ist dann immer sehr bewegend.“, erzählt er.

Aber Pater Rainer feiert auch gerne mit den Menschen, liebt die Gemeinschaft. Er genießt es nach den Proben des Kirchenchors noch bei einem Glas Wein oder Bier mit den Leuten zusammen zu sitzen. Natürlich hat er auch zu seinen Mitbrüdern in der Abtei einen engen Kontakt. Mindestens zur Vesper und zum Abendbrot ist er bei ihnen.

„Das ist das Schöne, wenn man in der Rente ist“, sagt er, „da hat man mehr Zeit. Mir sind meine Predigten und Ansprachen besonders wichtig. Die müssen jetzt nicht in einer halben Stunde fertig sein, sondern manchmal denke ich eine Woche lang jeden Tag darüber nach. Es ist eine Freude auf diese Weise wieder tiefer in das Leben Jesu zu geraten.“ Ab und zu sieht er jetzt auch fern.

Heute wirkt Pater Rainer durchweg ausgeglichen und zufrieden. Aber: „In jungen Jahren war es ein Problem, dass ich nicht geheiratet habe. Während des Studiums haben wir alle überlegt: Können wir das? Halten wir das durch? Und wenn man dann die Trauungen von fünf Geschwistern sieht, dann möchte man teilhaben an diesem Glück. Kinder fehlen und sich gemeinsam mit jemandem eine Zukunft aufzubauen. Als Seelsorger steht man fast immer alleine da.“

Fräulein Christel ist inzwischen seit 40 Jahren Pater Rainers Haushälterin und das „soziale Element“, wie er sagt. „Wir lieben uns nicht, aber wir verstehen uns.“, beschreibt er ihre Beziehung. „Sie ist für das Menschliche zuständig. Wenn man zölibatär zusammen lebt, dann ist da eine Distanz, aber es lässt sich auch Vieles machen.“

Beide haben schon einige Preise und Auszeichnungen für ihr beispielhaftes Engagement bekommen, zum Beispiel 1992 den Heinrich-Brauns-Preis für besondere Verdienste um die katholische Soziallehre für Pater Rainer. Sie freuen sich darüber, aber wichtig ist ihnen nur ihre Arbeit und dass sie den armen Menschen helfen können. „Was mir viel bedeutet, ist unsere Kirche.“, sagt er. „Die wurde nach dem Krieg von 60 Männern und Frauen innerhalb von zweieinhalb Jahren aus den zerstörten Häusern gebaut – ohne Architekt und ohne Geld. Die Kirche atmet immer noch diesen Geist des Wir-machen-das-selber.“

„Wichtig ist, dass die Menschen für einander da sind, damit alle gut leben können. Dann kann man auch in der Not mal lachen.“, sagt Pater Rainer, der eine Zeit lang in Brasilien gelebt hat und seitdem von der Theologie der Befreiung beeindruckt ist. „Beim einfachen Leben mit einfachen Menschen spürt man, was Jesus meint – das ist die frohe Botschaft.“

 

 

Spendenkonto:

Propstei St. Johann

Kontonummer.: 5137062125

Bankleitzahl: 35060386 (Volksbank Rheinruhr)

Verwendungszweck (bitte nicht vergessen!):

Mittagstisch St. Franziskus

 

Abgelegt unter Allgemein, Gute Menschen, Gute Taten, Religion | 4 Kommentare

Nächste Einträge »

FireStats icon Powered by FireStats