Das Spenden-Experiment: Selbsterfahrung Teil I

Caroline Stollmeier am 29. Februar 2012

Am Ende unseres Spenden-Experiments lässt sich sagen, dass das Experiment unser Konsumverhalten beeinflusst hat. Allerdings nicht immer so, wie wir es erwartet hätten…

Beginnen möchte ich meine Abschlussberichte mit unserer Regel 2: „Wenn wir im Alltag mit vertretbarem Aufwand Geld sparen können, spenden wir davon die Hälfte.“

Mineralwasser

Peter Singer schreibt etwas provokant, dass man eigentlich immer noch Geld für gute Taten übrig hat, wenn man Mineralwasser anstelle von Leitungswasser trinkt, da unser Leitungswasser zweifellos von guter Qualität ist. Im Grunde hat er ja Recht. Allerdings schmecken mir manche Mineralwassersorten einfach besser als Leitungswasser.

Ganz am Anfang des Experiments haben wir eher geschätzt als wirklich ausgerechnet, wie hoch die Spende sein könnte, die wir durch den Verzicht auf Mineralwasser zugunsten von Leitungswasser ersparen könnten. Wir kaufen nicht immer die gleiche Sorte Wasser, mal ist es eine ganz billige und mal eine relativ teure. Also mussten wir von einem Durchschnittspreis ausgehen, den wir mit den Kosten für unser Leitungswasser verglichen. Das Ergebnis war eine Spende in Höhe von 5 €-Cent pro Glas.

Insbesondere in den Sommermonaten haben wir häufiger als im Winter Leitungswasser getrunken. Gänzlich auf leckeres Mineralwasser verzichtet haben wir zu keiner Zeit. Und selbstverständlich haben wir auch unseren Besuchern niemals Leitungswasser serviert.

Der Verzicht auf Mineralwasser hat bei uns in einem Jahr zu einer Ersparnis von etwa 12 Euro geführt, was eine Spende nach Regel 2 von sechs Euro ausmacht.

Handelsmarken

Wirklich ohne großen Aufwand lässt sich Geld sparen, wenn man Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs von Handelsmarken anstelle von Herstellermarken kauft. In der Regel ist die Qualität der Ware absolut vergleichbar, der Preis aber deutlich geringer. Wir haben vor dem Experiment immer die gleiche Nudelsorte gekauft. Während des Experiments sind wir aber nahezu komplett auf billigere Produkte umgestiegen. Pro 500-Gramm-Packung Nudeln konnten wir so eine Spende in Höhe von 55 Cent ersparen.

Rückblickend mussten wir aber feststellen, dass wir auf diese Weise keine großen Einsparungen erzielen konnten. Das lag daran, dass wir bereits vor dem Spenden-Experiment verstärkt Handelsmarken gekauft hatten. Und ganz allgemein gesagt: Schlechte Erfahrungen haben wir damit nie gemacht.

Kaffee

Vor dem Spenden-Experiment haben wir meistens fair gehandelten Kaffee aus dem Eine-Welt-Laden in unserer Nähe gekauft. Dieser Kaffee ist relativ teuer, selbst wenn man ihn im Supermarkt bekommt (ca.6-7 Euro pro Pfund).

„Fair Trade“ hat einen guten Ruf. Ich habe die gute Idee dahinter bisher nie in Frage gestellt. Aber im Laufe des Experiments ist fast jede Ausgabe auf den Prüfstand gekommen, also auch die für unseren Kaffee.

Es wird immer gesagt, dass fair gehandelter Kaffee den Kaffeebauern angemessen hohe Entlohnung sichert, die dazu noch die manchmal existenzbedrohenden Schwankungen des Weltmarktpreises abfedert. Ich wollte wissen, wie viel mehr denn ein einzelner Bauer tatsächlich an einem Sack Kaffee verdient und ob sich dadurch wirklich der erheblich höhere Verkaufspreis rechtfertigen lässt (wir haben inzwischen Kaffee für unter 1,50 Euro pro Pfund gekauft).

Leider konnte ich diese Zahlen nicht herausbekommen. Angeblich ist es zu schwierig zu beziffern, was fair gehandelt für einzelne Bauern bedeutet. Ich habe davon gelesen, dass Gewerkschaften gegründet und Bildungsprojekte angestoßen werden. Also scheint es doch nicht darum zu gehen, wirklich dem einzelnen Bauern mehr Einkommen zu sichern? Ich konnte diese Frage nicht abschließend klären.

Für unser Experiment haben wir entschieden, keinen fair gehandelten Kaffee mehr zu kaufen und stattdessen auf billigeren Kaffee umzusteigen. Immerhin haben wir uns vorgenommen, mit den Einsparungen Menschenleben zu retten. Und das erscheint uns dringlicher als die Gründung von Gewerkschaften.

Restaurantbesuche

Wenn man auf Restaurantbesuche verzichtet, kann man ganz einfach Geld sparen. Nun, bedingt durch unsere Kinder gehen wir sowieso nicht häufig essen. Außerdem haben wir uns grundsätzlich entschieden, dass unsere Freunde und Gäste nicht unter unserer Experimentierfreude „leiden“ sollen. Also gab es keine Einsparungen durch den Verzicht auf Restaurantbesuche. Lediglich mein Mann hat sich in seinen seltenen Mittagspausen häufiger selbst verpflegt.

Mitgliedschaften

Sowohl mein Mann als auch ich sind Mitglied in mehreren (Förder-)Vereinen und anderen mehr oder weniger gemeinnützigen Organisationen. Sofern wir dabei nicht einen Lebensbund eingegangen sind, der selbstverständlich nicht zur Diskussion stand, haben wir jedoch abgewogen und berücksichtigt, zu welchem Zweck unsere Mitgliedsbeiträge verwendet werden.

Ohne großen Aufwand ließ sich in einem Fall der Mitgliedsbeitrag reduzieren. Zwei Mitgliedschaften wurden komplett beendet. Wenn unsere emotionale Bindung an eine Organisation bzw. die Überzeugung, dass ein Verein Gutes tut immer noch groß ist, haben wir an der Mitgliedschaft und den Beiträgen natürlich nichts verändert.

Ein besonderer Fall ist die Kirchensteuer, die ich deshalb an anderer Stelle bereits diskutiert habe. Auch hier konnten wir keine Spenden ersparen.

Rabatte

Geld sparen konnten wir auch durch Rabatte oder besondere Aktionen. Experimentrelevant waren für uns aber nur Preisnachlässe, die wir nicht sowieso erhalten hätten. Beispielsweise waren wir ein Mal im Schwimmbad und haben erst vor Ort erfahren, dass genau an diesem Tag alle Besucher aus Duisburg zu einem ermäßigten Eintritt herein durften. Diese Einsparung war relevant für unser Experiment. Rabatte aufgrund von Kundenkarten, die wir bereits vor Experimentbeginn hatten, zählten hingegen nicht.

Bücher

Wir kaufen relativ viele Bücher. Mein Mann erwirbt am liebsten günstige Mängelexemplare. Daran gibt es nicht viel zu sparen. Aber mir haben es eher die leider oft teuren Fachbücher angetan. Als gegen Anfang des Spendenexperiments mal wieder die Anschaffung eines bestimmten Buches, das ich zudem nur aus den USA beziehen konnte, anstand, ist mir eingefallen, dass ich früher immer gute Erfahrung mit der Unibibliothek gemacht habe. Tatsächlich war das von mir gesuchte Buch im Bibliothekskatalog aufgeführt. Die Gebühr für den Benutzerausweis habe ich bereits durch den Verzicht auf den Kauf des ersten Buches eingespart.

Fazit

Durch die Anwendung von Regel 2 haben wir etwa 25 % unserer Spendensumme gewonnen. Wir haben erwartet, dass dieser Anteil höher sein würde. Im Rückblick lässt sich jedoch sagen, dass wir bereits vor Beginn des Experiments immer versucht haben, bei alltäglichen Dingen Geld zu sparen und dabei anscheinend sehr erfolgreich waren.

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Ein Kommentar zu “Das Spenden-Experiment: Selbsterfahrung Teil I”

  1. Tobiasam 3. März 2015 um 13:20

    Zum Thema Mineralwasser kann ich – egal ob man für einen guten Zweck spart oder einfach so – zu einem Trinkwassersprudler raten. Damit kann man mit einer Flasche Kohlensäure zu € 5,50 nach unserem Experiment 54 Liter Leitungswasser aufsprudeln. Das spart nicht nur eine ganze Stange Geld (wenn man die Kosten für das Sprudelgerät bereits eingepspart hat) sondern auch der Umwelt hin und wieder eine LKW-Fahrt und ggf. wenn man stattdessen Einwegflaschen gekaft hätte auch einen Berg Verpackungsmüll.

    Viele Grüße Tobias

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