Spenden-Experiment: Hilfe nach dem Do-no-harm-Prinzip

Caroline Stollmeier am 2. Juni 2011

Ich möchte nicht mit dem Ende beginnen. Aber motivierend für unser Spenden-Experiment ist es doch zu überlegen, wem unsere gesparten Euros später zugute kommen sollen. Das wichtigste Auswahlkriterium dafür haben wir bereits vor Beginn des Experiments definiert: Menschenleben retten. Aber dennoch bleibt viel zu bedenken.

Peter Singer spendet an Oxfam und äußert sich ausgesprochen wohlwollend über diese Organisation. Wollen wir doch selber etwas genauer hinschauen…

Oxfam Deutschland e.V. ist eine unabhängige Hilfs- und Entwicklungsorganisation, die sich für eine gerechte Welt ohne Armut einsetzt. Wir leisten weltweit Nothilfe und stärken sozial engagierte Kräfte vor Ort. Mit unserer Kampagnenarbeit decken wir die der Armut zugrunde liegenden Strukturen auf und drängen Entscheidungsträger/innen in Politik und Wirtschaft zu verantwortlichem Handeln“, heißt es in der Selbstdarstellung. Das klingt beeindruckend.

Aber wann genau wird Oxfam aktiv? Und vor allem, wie wird sichergestellt, dass Oxfam sich tatsächlich am Bedarf in armen Regionen orientiert und sich nicht von politischen und wirtschaftlichen Interessen leiten lässt, wie es der staatlichen Entwicklungshilfe häufig unterstellt wird (Moralblog wird diesem Vorwurf an anderer Stelle nachgehen)?

„Der Bedarf vor Ort ist gegeben und festgestellt, Partnerorganisationen teilen die Prinzipien und Grundsätze von Oxfam, Schwerpunkte entsprechen dem Oxfam strategischen Plan, Doppelungen durch Unterstützung anderer Hilfsorganisationen sind ausgeschlossen – um nur einige wenige Kriterien sehr kurz zu benennen“, erläutert Oxfam Projekt-Referentin Reinhild Schumacher gegenüber Moralblog.

Und wie geht Oxfam sicher, dass die Aktivitäten auch nachhaltig die gewünschte positive Wirkung haben? „Bereits bei der Projektplanung ist uns der Do-no-harm Ansatz wichtig, um negative Wirkungen durch Projektaktivitäten zu vermeiden. Dabei hilft uns, dass unsere lokalen Partnerorganisationen eine profunde Kenntnis der Kultur, der Gewohnheiten und Traditionen sowie der lokalen Hierarchien und Gesetzgebung haben“, so Schumacher, „hinzu kommt eine Risikoanalyse.“

Die Erfolgskontrolle ist wichtig für Oxfam. Auch die Partnerorganisationen werden dabei unterstützt. Und immer wieder werden externe Gutachter hinzugezogen.

Oxfam finanziert seine Arbeit vor allem aus den Erträgen der 36 Oxfam Shops, in denen fast 2.300 Ehrenamtliche „Überflüssiges flüssig machen“. Private Spenden sind außerdem besonders wichtig. Und für bestimmte Einzelvorhaben gibt es auch Zuschüsse von der Bundesregierung und der EU.

Besonders beeindruckend wäre für uns natürlich, wenn wir erfahren könnten, mit welchem Euro-Betrag Oxfam ein Menschenleben retten könnte. Aber dazu sagt Schumacher: „Das kann ich leider nicht sagen, denn hier ist alles abhängig von der Art der Intervention. Mal kann es eine simple Chlortablette sein, die Trinkwasser sauber macht, ein anderes Mal ist es weiterführende Schulbildung, die neue Chancen eröffnet. Uns geht es darum Menschen zu schützen (in der Nothilfe) und Wege aus der Armut zu finden (Wiederaufbau, Entwicklungszusammenarbeit). Das lässt sich bei der Vielfalt der Aktivitäten nicht auf eine einfache Rechnung runterbrechen.“

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