Papst Franziskus empfängt 1000plus

Caroline Stollmeier am 24. Juni 2016

In der vergangenen Woche empfing der Heilige Vater, Papst Franziskus, eine sechsköpfige Delegation von 1000plus zu einer Privataudienz – was für eine Ehre! Die Organisation, die sich seit sieben Jahren wirksam für Schwangere in Not einsetzt, wurde dabei vertreten durch den Vorstand, die Beratungsleitung, ein 2-jähriges Mädchen mit seiner Mutter und den Rottenburger Weihbischof Thomas Maria Renz, der 1000plus seit langem kennt und unterstützt. Das zweijährige Mädchen ist eines der zahlreichen Kinder, die dank der Beratung und der ganz konkreten Hilfe von 1000plus das Licht der Welt erblicken konnten.

Papst Franziskus nahm sich die Zeit, sich von Kristijan Aufiero, dem Vorsitzenden von 1000plus, Einzelheiten über das Hilfsangebot erläutern zu lassen. Während Aufieros Ausführungen „in herrlich klingendem Italienisch“ (wie eine Ohrenzeugin berichtete) lobte der Papst den Dienst von 1000plus mit den Worten :“Was für eine wunderschöne Arbeit.“

Besonders angetan war der Papst auch von den sogenannten Babyflaschenaktionen. Dabei werden Babyflaschen zu Sammeldosen umfunktioniert, mit denen dann in Gemeinden um Spenden gebeten wird. Diese Aktionen tragen wesentlich zur Finanzierung der Beratung und Hilfe für Schwangere durch 1000plus bei.

Papst Franziskus bedankte sich ausdrücklich für alles, was 1000plus leistet, und spendete anschließend der kleinen Delegation inklusive des „1000plus-Babys“ stellvertretend für die gesamte Organisation seinen päpstlichen Segen.

Es ist bekannt, dass Schwangere in Not und ihre ungeborenen Babys Papst Franziskus besonders am Herzen liegen und er sich mehr konkreten Beistand für sie wünscht. Bereits 2013 betonte er in seinem ersten Apostolischen Schreiben Evangelii Gaudium: „Es ist nicht fortschrittlich, sich einzubilden, die Probleme zu lösen, indem man ein menschliches Leben vernichtet.“ Vergangene Versäumnisse eingestehend heißt es weiter: „Doch es trifft auch zu, dass wir wenig getan haben, um die Frauen angemessen zu begleiten, die sich in sehr schweren Situationen befinden, wo der Schwangerschaftsabbruch ihnen als eine schnelle Lösung ihrer tiefen Ängste erscheint, besonders, wenn das Leben, das in ihnen wächst, als Folge einer Gewalt oder im Kontext extremer Armut entstanden ist.“ Und er fragt: „Wer hätte kein Verständnis für diese so schmerzlichen Situationen?“ [214]

Vor diesem Hintergrund ist das Lob durch das Oberhaupt der katholischen Kirche nicht hoch genug zu bewerten, drückt es doch aus, dass 1000plus genau auf dem verständnisvollen Weg ist, den der Papst sich für seine Kirche im Umgang mit Schwangeren in Not wünscht.

Cornelia Lassay, Leiterin der Direktberatung von 1000plus, steht noch ganz unter dem Eindruck des Papstbesuchs: „Irgendwie habe ich angefangen, Zeit anders zu rechnen: in die Zeit davor und in die Zeit danach.“ Mit ihr dürften sich nun auch alle katholischen Unterstützer freuen, denn „der päpstliche Segen bestärkt uns alle sehr in dem, was wir tun.“


Papst Franziskus zeigt sich begeistert von der Babyflaschen-Aktion des Projekts 1000plus. Mit im Bild: Dr. Markus Arnold (stellvertretender Vorsitzender des Vorstands von Pro Femina e.V.), Monika Aufiero (Vorstandsmitglied), Weihbischof Thomas Maria Renz (Diözese Rottenburg-Stuttgart), Kristijan Aufiero (Vorsitzender des Vorstands, v.l.n.r.).
(C) Pro Femina e.V.

Abgelegt unter 1000plus | Leben,Allgemein,Gute Menschen | Gute Taten | Keine Kommentare

Die Durex-Botschaft

Caroline Stollmeier am 15. Juni 2016

Vor einigen Tagen war hier ausnahmsweise der Fernseher an, und ich habe zufällig mittags gegen zwölf eine Kondom-Werbung gesehen…

„Hmm, Liebling…“
Ich liebe dich.
„Jaa, Süße?“
„Sollten wir nicht ein Kondom benutzen?“
Hast Du eins…?
„Ach, da passiert schon nichts.“
Ich kann rechzeitig aufhören…

Fast alle 5 Minuten entscheidet sich eine Frau in Deutschland für eine Abtreibung.
Sex ohne zuverlässige Verhütung kann zu ungewollten Schwangerschaften führen.
Informiere dich!
Verwende zuverlässigere Verhütungsmethoden.

Diese Botschaft wird unterstützt von Durex.

Kennen Sie den Spot auch? Zugegeben, ich habe kein Ahnung was gerade wann und auf welchem Sender beworben wird. Aber man hört ja so viel… Deshalb war ich gar nicht allzu verwundert oder entsetzt. Im Gegenteil, eigentlich war ich im ersten Moment sogar erfreut über diesen Spot! Immerhin steht hier ein „Ich liebe dich“ am Anfang der Bettgeschichte…

Außerdem begegnet mir nicht oft, dass die „normalen“ Medien so (relativ) un-beschönigend mit dem Thema Schwangerschaftsabbrüche umgehen (das war ja nicht auf Bibel-TV oder so, wo man es vielleicht erwarten könnte).

Zur Sicherheit habe ich nachgerechnet:
60 min x 24 h x 365 Tage = 525.600 min ./. 5 min = 105.120

Die Zahl der offiziell gemeldeten Schwangerschaftsabbrüche 2015 in Deutschland beträgt: 99.237. Berücksichtigt man dann noch die bekannten, jedoch in der Höhe kaum näher bestimmbaren „Ungenauigkeiten“ wie beispielsweise Abtreibungen, die (aufgrund größzügigerer Fristen) im Ausland durchgeführt wurden oder aus welchem Grund auch immer mit einem falschen ICD-Code verschlüsselt wurden und deshalb nicht in der Statistik auftauchen, muss man wirklich sagen, dass Durex nichts schönrechnet.

Eine Abtreibung alle fünf Minuten ist eine realistische statistische Größe. Und wenn es schon mittags im Fernsehen gesagt wird, dann kann doch wirklich NIEMAND mehr behaupten, er hätte nichts davon gewusst!

So weit, so gut…

Aber wir kommen schnell zu dem Punkt, an dem meine Freude über diesen Werbespot einen großen Knacks gekriegt hat, denn was sind schon Statistiken?! Hinter jedem dieser „Fälle“ steckt eine Frau, die für sich und ihr Baby keine andere Möglichkeit gesehen hat, als eben diese Abtreibung.

Behauptet wird: „Alle 5 Minuten e n t s c h e i d e t sich eine Frau…“ Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich diese „Information“ vielleicht einfach hinnehmen. Aber von einer freien Entscheidung kann doch nun wirklich bei den unzähligen Schwangeren nicht die Rede sein, die entweder alleine gelassen werden in ihrer Not oder sogar noch zur Abtreibung gedrängt werden, obwohl sie unentschlossen sind oder ihr Herz ihnen längst etwas ganz anderes gesagt hat.

Und der Hinweis „informiere dich… verwende zuverlässigere Verhütungsmethoden“ irritiert mich auch. Ich dachte immer, es sei vollkommen klar, dass der Coitus interruptus keine Verhütungsmethode ist, weil er absolut unzuverlässig und eine echte Spaßbremse ist. Das hat man doch schon „zu meiner Zeit“ aus dem Biologieunterricht gewusst lange bevor es überhaupt zum ersten Kuss oder Händchenhalten kam.

Vielleicht kann man auch wirklich nicht oft genug erklären, dass Sex zu Schwangerschaften führen kann… Irgendwie bin ich ja für diesen Punkt hier fast schon wieder dankbar. Wie leicht wird manchmal vergessen, dass Sex eben nicht nur Spaß und Erfüllung und jede Menge toller Gefühle bringen kann, sondern eben auch Babys.

Die logische Konsequenz (nicht blöd sein, besser verhüten -> dann gibt es auch keine Babys!) gefällt mir allerdings schon wieder nicht. Noch konsequenter wäre nämlich zu sagen: „Wenn du absolut kein Baby willst, dann hab‘ einfach keinen Sex.“ Aber damit ließe sich wahrscheinlich kein einziges Kondom zusätzlich verkaufen. 😉

Unter dem Strich ziehe ich meinen Hut vor denjenigen, die die Aussagen im Spot so formuliert haben, dass eine Kritik daran praktisch unmöglich ist. Und ich freue mich über jeden, der hinter einer Zahl den Menschen sieht – und hinter der „Entscheidung“ für eine Abtreibung die wahre Not.

 

 

Abgelegt unter 1000plus | Leben,Allgemein | Keine Kommentare

Das Moralblog wird zum Eisvogel

Caroline Stollmeier am 13. Juni 2016

Im siebten Jahr seines Bestehens benennen wir das Moralblog um in Der Eisvogel. Natürlich wollen wir jetzt nicht weniger moralisch werden. Nur bescheidener: Wir decken nicht die ganze Moral ab. Eher erbeuten wir ab und zu für unsere Leser ein Fischchen Wahrheit im großen Gewässer der Nachrichten und Meinungen.
Außerdem ist der Eisvogel mit seiner Schönheit und seiner Seltenheit eine Erinnerung daran, dass es in dieser Welt mehr gibt, als wir mit Worten erfassen können. Wer einmal einen Eisvogel gesehen hat, und meist ist das nur ein kurzer Anblick, der vergisst das nie mehr.

Es grüßen herzlich aus der Redaktion
Caroline und Harald Stollmeier

Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

Die Meinungsfreiheit und ihr Preis

Harald Stollmeier am 13. März 2016

Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut. Der Preis, den wir für unsere eigene Meinungsfreiheit zahlen, besteht darin, dass wir die Meinungen der Anderen ertragen müssen – und die bisweilen heftigen Reaktionen auf unsere eigenen Aussagen: Anfeindungen, Shitstorms, Vertragsauflösungen. Normalerweise sind diese Reaktionen nämlich von den Rechten der handelnden Personen gedeckt, auch wenn sie in der Sache falsch oder zumindest unverhältnismäßig sind. Wer öffentlich Stellung nimmt, muss wissen, dass er Contra bekommen kann.

Ein Sonderfall sind Anfeindungen, die sich gar nicht auf die gemachten Aussagen selbst beziehen, sondern auf ihre Umgebung, auf den Anlass, den Ort oder das Medium, insbesondere dann, wenn Aussagen und Umgebung nicht inhaltlich deckungsgleich sind. Wie geht man damit um?

Ein Beispiel ist der katholischen Philosoph und Blogger Josef Bordat, der die Links zu seinen (durchweg grundgesetzkonformen) Blogbeiträgen unter anderem auch in dem umstrittenen Portal gloria tv publiziert. Schon seit Jahren weigert sich deshalb das seinerseits auch nicht unumstrittene Portal kath net, Beiträge von ihm zu veröffentlichen. Bordat, einer der meistgelesenen katholischen Blogger, sieht zudem schwere Defizite in der Debattenkultur von gloria tv. „Aber jedes Mal, wenn ich dort aussteigen will“, berichtet er, „schreibt mir irgendjemand und droht mir, mich umzubringen, wenn ich da nicht sofort aussteige. Und deshalb muss ich natürlich drin bleiben. Schon aus Prinzip.“ Darüber hinaus sieht er in der Publikation in „feindlichen“ Medien eine Missionsmöglichkeit und hält sich deshalb diese Option ausdrücklich offen.

Der Religionswissenschaftler Michael Blume schreibt jahrelang in dem libertären Magazin eigentümlich frei. Er hält es lange aus, dass er damit einem gewissen Generalverdacht unterliegt; er weiß ja, dass er „unschuldig“ ist; Beschimpfungen zum Beispiel als „Muslimfreund“ und „von den USA bezahlt“ bestätigen ihm, dass er im Blatt nicht auf dem rechten Flügel steht. Aber im Dezember 2015 ist für ihn das Maß voll: Eskalierende Beschimpfungen der immerhin demokratisch gewählten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Berufung von Thilo Sarrazin zum Kolumnisten sind für ihn der Anlass, sich öffentlich von eigentümlich frei loszusagen. Für so etwas wolle er nicht werben.

Die finnische Schriftstellerin Beile Ratut (u. a. Das schwarze Buch der Gier) schreibt regelmäßig Essays für Die Tagespost. Im Sommer 2015 wirbt sie in einem zweiteiligen Interview mit dem Magazin Blaue Narzisse für die Ehe und ihre Unauflöslichkeit. Das Echo ist unerwartet. „Die Kritik war überraschend und auch schmerzlich, bis hin zum Abbruch von Kontakten“, sagt Beile Ratut, „aber dabei ging es nie um das, was ich geschrieben, sondern ausschließlich darum, dass ich in diesem Magazin publiziert hatte.“ Die Schriftstellerin hatte die Problematik des Publikationsortes völlig unterschätzt. „Was ich geschrieben habe, entsprach meiner Überzeugung. Ich hielt es nicht für nötig, zu prüfen, ob das auch für alles andere gilt, was in diesem Magazin steht. Es schien mir auch vielversprechend, meine Gedanken in einem Medium zu formulieren, dessen Publikum wahrscheinlich ganz andere Denkvoraussetzungen hat. Inzwischen kann ich reinen Gewissens sagen: Manchem stimme ich zu, vielem nicht, aber besonders die Art und Weise, wie in der Blauen Narzisse über Politik diskutiert wird, halte ich für schädlich. Ich trete für das Recht der Autoren ein, diese Dinge zu schreiben. Aber ich möchte nicht für einen Fan dieses Argumentationsstils gehalten werden. Dieses Missverständnis kann ich nur verhindern, indem ich dort nicht mehr publiziere.“

Wo stehe ich selbst? Wenn ich Menschen politisch einordne, konzentriere ich mich auf ihre eigenen Aussagen; eine Einordnung aufgrund des Umfeldes allein wäre  bestenfalls vorläufig. Und wenn ich eines Tages in Ungnade falle, dann soll es wegen meiner eigenen Überzeugungen sein. Ich schließe für mich nicht aus, in einem Magazin zu publizieren, dessen Linie der meinen zuwiderläuft, wenn ich, wie es Josef Bordat erhofft, dort für meine eigene Haltung werben kann. Trotzdem müssen mir zwei Gefahren bewusst sein. Die eine könnte Beile Ratuts Problem werden: beim Versuch, für die Ehe zu werben, wo es nur geht, von der Blattlinie „kontaminiert“ zu werden. Kann ich diese Skylla umrunden, droht mir die Charybdis, die Michael Blume vermied: zum Feigenblatt für ein Magazin zu werden, mit dem man in der Sache über Kreuz liegt.

Als Autor muss ich berücksichtigen, dass viele Leser „vorsortieren“ – ich will ja richtig verstanden werden; als Leser aber kann und will ich dieses Vorsortieren bewusst beschränken und grundsätzlich jeden Autoren als Individuum wahrnehmen und seine Argumente für sich zur Kenntnis nehmen und prüfen. Natürlich ist das Medium eine Orientierungshilfe und manchmal eine Warnung. Aber auch der „Feind“ kann einmal recht haben; auch vom „Feind“ kann ich einmal lernen.

 

 

 

Abgelegt unter Allgemein,Gerechtigkeit,Politik | Keine Kommentare

Einheit und Frieden. Oder?

Caroline Stollmeier am 23. Februar 2016

!Vorsicht Meinung!

 

Welche Rolle spielt der Geist Gottes in Eurem Leben? Welche Rolle spielt er in Deinem Leben?

Der Geist Gottes macht alle Christen zu Brüdern und Schwestern: „Alle, die sich vom Geist Gottes führen lassen, die sind Gottes Söhne und Töchter.“ (Röm 8,14) Und als solche, stehen wir nicht mehr unter dem Zwang, unserer selbstsüchtigen Natur zu folgen. (Röm 8,12)

Das ist eine große Chance. Wir stehen nicht mehr unter dem Zwang, unserer selbstsüchtigen Natur zu folgen. Das heißt, wir haben eine Wahl. Wir können alles laufen lassen, wie es ist – Geist hin oder her. Aber wir können ihn auch um seine Hilfe bitten, und dann kommt er.

Die Selbstsucht der Menschen hat tausend Gesichter. Sie zieht sich durch alle Bereiche das Lebens. Natürlich auch bei Christen. Ich denke an dieses spontane Gefühl, dass man doch eigentlich ein viel besserer Christ ist als der da drüben. Oder wenn man eifersüchtig wird, weil eine andere Gemeinde viel mehr Mitglieder gewinnen kann als die eigene…

Es heißt aber, dass jeder von uns so leben soll, dass die Gemeinschaft der Christen gefördert und Gemeinde aufgebaut wird. (Röm 15,2) DIE Gemeinschaft, DIE Gemeinde – insgesamt – nicht eine bestimmte! Und wir sollen nicht in Streit geraten über verschiedene Auffassungen und Rituale. (Röm 14,1) So weit es möglich ist, und da, wo es auf uns ankommt, sollen wir den Frieden untereinander bewahren. (Röm 12,18)

Wir wünschen uns doch alle, dass möglichst viele Menschen gerettet werden, oder? Jeder von uns kann für Andere eine Sprosse auf der langen Leiter in den Himmel sein. Lasst nicht zu, dass beobachtbar eifersüchtiges, selbstsüchtiges oder überhebliches Verhalten Andere davon abhält, auch nur die unterste Sprosse zu betreten oder auf halber Höhe wieder abzuspringen! Und schubst um Himmels willen nicht sogar jemanden hinunter!

„Hören wir also auf, uns gegenseitig zu verurteilen! Seid viel mehr kritisch gegen euch selbst, wenn ihr euch im Glauben stark fühlt, und vermeidet alles, was einem Bruder oder einer Schwester Anstoß bereiten oder sie zu Fall bringen kann.“ (Röm 14,13) Ich finde das ziemlich klar und eindeutig.

Am Ende wir sich jeder Einzelne von uns für sein Tun verantworten müssen. (Röm 14,12)

Wir alle sind Gottes Söhne und Töchter. Wir alle sind dadurch Brüder und Schwestern. Jeder Christ. Egal zu welcher Kirche oder Gemeinde er gehört. Wir dürfen uns nicht entzweien an Stilfragen oder Ritualen. Und schon gar nicht dürfen wir auf einander herabsehen.

Klar gibt es die, die „reifer“ im Glauben sind. Aber insbesondere die haben die Pflicht, andere Menschen mit einem schwacheren Glauben mitzutragen, anstatt selbstgefällig nur an sich zu denken. (Röm 15,1)

Welche Rolle spielt der Geist Gottes in Deinem Leben?

ALLE, die sich vom Geist Gottes führen lassen, sind Brüder und Schwestern. Wir stehen nicht mehr unter dem Zwang, unserer selbstsüchtigen Natur zu folgen. Und jeder für sich ist für sein eigenes Tun verantwortlich. Lasst uns einander also annehmen, so wie Christus jeden von uns angenommen hat. DAS dient zum Ruhm und zur Ehre Gottes! (Röm 15,7)

 

Abgelegt unter Allgemein,Gute Menschen | Gute Taten,Religion | Keine Kommentare

Tiere: Vom Objekt zum Gegenüber

Harald Stollmeier am 19. Februar 2016

Buchbesprechung: Alexander Pschera, Das Internet der Tiere: Der neue Dialog zwischen Mensch und Natur, Matthes & Seitz Berlin, 186 Seiten, 19,90 Euro

Der Naturschutz hat es geschafft, eine Landfläche von der Größe Südamerikas von menschlicher Nutzung und menschlichem Besuch abzuschirmen. Aber das Artensterben hält er nicht auf. Kein Wunder, sagt Alexander Pschera, Philosoph, Literaturwissenschaftler und Kommunikationsberater in München. In seinem Buch Das Internet der Tiere macht er plausibel, dass der Schutz der Natur vor dem Menschen die Natur für den Menschen irrelevant gemacht hat. Früher hatten die Menschen einen direkten Bezug zur Natur: Sie lebten in ihr, von ihr, mit ihr. Sie lebten mit Tieren zusammen, sie liebten, nutzten und töteten Tiere. Dann kamen Industrialisierung und Naturschutz, und wenn heute ein Kind Schmetterlinge fängt oder Käfer sammelt, ist es schon fast mit einem Bein im Gefängnis.

Aber das ist nicht das letzte Wort. Die informationstechnische Revolution, in der wir leben, hat nach den Menschen (Facebook etc.!) und den Dingen (intelligenter Kühlschrank!) inzwischen auch die Tiere erfasst. Immer mehr Tiere werden mit Sendern versehen, vom Weißhai bis zum Schmetterling, und hinterlassen digitale Spuren im Internet, denen immer mehr Menschen folgen. Die Umwälzung, die sich daraus ergibt, ist dramatisch. Denn solche besenderten Tiere bekommen eine unverwechselbare Individualität, ja eine Biographie. Sie sind nicht mehr Vertreter einer Art, sie sind Individuen, so wie der Waldrapp Shorty, mit dem Alexander Pschera selbst auf Facebook verbunden ist.

Wenn man sich vorrangig für die Vorteile dieser Entwicklung interessiert, und die sind unbestreitbar, dann kann man es sich auch leisten, den Unterschied zwischen einer objektiven und einer subjektiven Biographie zu übergehen. Dieser Unterschied ist aber ethisch relevant, weil es für die Nutzung von Tieren, die ihre Tötung einschließen kann, durchaus von Bedeutung ist, ob sie subjektiv eine Biographie (ein Bewusstsein) haben. Und diese Art von Biographie kann auch das Internet nicht herstellen.

Pscheras Kernaussage aber ist überzeugend: Das Internet der Tiere schlägt milliardenfach Brücken über den Abgrund, den industrielle Revolution und Naturschutz aufgerissen haben, und stellt eine neue Beziehung zwischen Mensch und Natur her, eine Beziehung, auf deren Grundlage die Natur doch noch gerettet werden kann. Natürlich ist das in Wirklichkeit eine Veränderung allein im Bewusstsein der Menschen, von der die Tiere wenig spüren – aber den Nutzen haben auch sie, weil ihr Lebensraum von Menschen, die sie plötzlich schätzen und verstehen, wesentlich besser geschützt wird als von Menschen, für die sie nur tabu sind.

Pschera

Abgelegt unter Allgemein,Lesenswerte Bücher | Keine Kommentare

Und alles nur, weil ich dich liebe…

Caroline Stollmeier am 16. Februar 2016

„Caroline, dann musst du mich ja wirklich hassen“, sagte eine Freundin zu mir, als ich ihr in einem eigentlich ganz alltäglichen Gespräch sagte, dass ich Abtreibung nie für die beste Lösung halte. „Ich habe nämlich auch schon mal abgetrieben“, erklärte sie.

Ich war geschockt!

Nicht wegen der Abtreibung! Sie berichtete mir von den damaligen Umständen: der Freund hatte sie unter Druck gesetzt, der Chef mit Kündigung gedroht und ihre Eltern waren keine Hilfe. Ein ganz „normaler“ Konflikt eben, wenn man das überhaupt so sagen kann…

Geschockt war ich davon, dass meine Freundin überhaupt auf die Idee gekommen ist, ich könnte sie „hassen“!

Ich wollte rufen, schreien, brüllen: „NEIN! Ich hasse dich doch nicht!“ (Da wir im Auto saßen, wäre das aber vielleicht nicht so gut angekommen.) Nein, ich hasse meine Freundin nicht – und auch keine andere Frau in ähnlichen Umständen.

Ich liebe sie.

Mein Herz brennt für jede Frau, die ungeplant schwanger ist und nun nicht weiß, was sie tun soll. Deshalb engagiere ich mich seit Jahren für den Verein Pro Femina (das bedeutet: für die Frau!), der es durch einzigartige Beratung schafft, Frauen eine freie Entscheidung zu ermöglichen. Eine Entscheidung, die nicht unter Druck, Zwang oder Ohnmacht getroffen werden muss.

Eine Frau, die abgetrieben hat, ist doch nicht deshalb ein schlechter Mensch. Wer so etwas behauptet, der hat kein Herz und richtet, wo einem Richten nicht zusteht!

Meine Freundin hat inzwischen einen Ehemann und weitere Kinder, wofür sie sehr dankbar ist. Aber natürlich hat sie ihr erstes Kind nicht vergessen, von dem sie damals fast niemandem erzählen konnte. Sie tut mir unendlich leid, weil sie damals keinen anderen Ausweg gesehen hat.

Ich wünsche mir, dass Frauen, die heute in einer ähnlichen Situation sind, alle Liebe, Hilfe und Unterstützung bekommen, die sie so dringend benötigen. Und deshalb wünsche ich mir, dass noch mehr Frauen diese Telefonnummer anrufen: 0 8000 60 67 67*.

Wir tun das alles, weil wir Euch lieben!

 

 

* Das ist die aus Deutschland kostenlos erreichbare Beratungshotline von Pro Femina e.V.; weitere Kontaktmöglichkeiten sind hier zu finden.

Abgelegt unter 1000plus | Leben,Allgemein | Keine Kommentare

Die Flucht nach Ägypten

Harald Stollmeier am 20. Dezember 2015

Lebendige Krippe Neumühl 2015

Jacqueline Priester und Ogie Godfrey als Maria und Josef an der Lebendigen Krippe in Duisburg-Neumühl 2015

Moralblog-Autor Harald Stollmeier schreibt im Blog „Starke Meinungen“ über die Flüchtlingskrise, den Asylbewerber Ogie Godfrey und den Duisburger Pater Tobias Breer.

Abgelegt unter Allgemein | Keine Kommentare

Nationales an der Krippe

Harald Stollmeier am 19. Dezember 2015

P1090669

Klassische Krippendarstellung mit eindeutig afrikanischem Weisen.

 

Im November und Dezember 2015 machte ein Plakat mit Argumenten gegen Fremdenfeindlichkeit die Runde. Es verwies unter anderem auf die Verehrung eines römischen Soldaten, eines türkischen Bischofs und eines aramäischen Wanderpredigers. An dieser Botschaft ist etwas richtig, etwas falsch und etwas ungesagt.

Richtig ist, dass unsere Kultur („Abendland“) ohne ihre morgenländischen und sonstwie exotischen Bestandteile schal und langweilig wäre. Das gilt nicht nur für den Adventskalender sondern auch für die Schokolade darin.

Falsch ist in mehreren Fällen die Zuordnung der Nationalität. Das stört am meisten beim aramäischen Wanderprediger, dessen jüdische Identität man nicht übersehen kann, ohne Bildungsmängel zu offenbaren (wenn es unbeabsichtigt geschieht). Es ist aber auch beim türkischen Bischof bedeutsam. Denn Nikolaus von Myra war ganz ohne Zweifel Grieche. Heute ist dort, wo er lebte, die Türkei – weil das Land seither von Türken erobert wurde. So etwas kommt vor, und es hatte in diesem Fall kulturelle, sprachliche und religiöse Folgen; unter anderem hält sich die Verehrung des heiligen Nikolaus an seiner historischen Wirkungsstätte in Grenzen.

Ungesagt ist das Wichtigste. Denn während zwar jeder von uns eine Herkunft hat (und man darf, ja soll sie pflegen), ist eine Kernbotschaft des Christentums, dass diese Herkunft unsere Zukunft nicht definiert. Sie definiert, wenn wir uns darauf einlassen, nicht einmal unsere Gegenwart. „Da ist nicht mehr Grieche, Jude, Beschnittener, Unbeschnittener, Nichtgrieche, Skythe, Knecht, Freier, sondern alles und in allen Christus“, heißt es im Kolosserbrief (Kol 3,11). Und unter anderem bedeutet es ganz sicher, dass wir zwar sowohl deutsche als auch türkische Heilige verehren. Aber nicht weil sie Deutsche oder Türken, sondern weil sie Heilige sind.

Ich wünsche allen Mitmenschen, egal welcher Herkunft, zum Geburtstag des jüdischen Wanderpredigers Jesus Christus, der von den Toten auferstanden ist, gesegnete Weihnachten!

 

Abgelegt unter Allgemein,Religion | Keine Kommentare

Liebe oder Spiegelung?

Harald Stollmeier am 15. Dezember 2015

Palmer

Buchbesprechung: Gesine Palmer, Der Tausch. Eine Elegie in Prosa, epubli, 256 Seiten, Eur 24,99

Wie sind Männer wirklich? Wie sind Frauen wirklich? Wenn Liebe zwischen ihnen so oft scheitert, ist sie dann überhaupt möglich? Gesine Palmer, die Ingeborg Bachmann und Paul Celan liebt, und Kafka mehr als alle anderen, lässt ihre Berliner Ich-Erzählerin an den Geliebten zurückdenken, der sie betrogen und verraten hat. Was in Wirklichkeit geschehen ist, erfährt der Leser nicht. Aber er versteht, was eigentlich geschehen ist.

Wer liebt, ist verwundbar. Wer lieben können will, muss sich erst verwundbar machen. Der Andere ist nur dann mehr als ein Spiegel, in dem wir uns selbst erblicken, wenn wir zulassen, dass er uns das Herz bricht.  Und wenn wir uns auf den Anderen einlassen, so dass unser Herz zerbrechlich wird, dann gibt es keine Garantie, dass der Andere das ebenfalls tut.

Aber wenn er es versucht und dann, plötzlich, Angst vor der eigenen Courage bekommt – und Angst vor uns, weil wir ja sein Herz brechen könnten, dann kann es passieren, dass er aus Angst Böses tut, Böseres als er ohne den Versuch getan hätte, sich zu entspiegeln und sein wahres Ich preiszugeben.

Gesinde Palmers „Der Tausch“ ist ein Intellektuellenroman, ein Künstlerroman. In der Welt ihrer Heldin ist das Plagiat das ultimative Verbrechen, in Verbindung mit Rufmord natürlich. Und wer jemals geistiges Eigentum geschaffen hat, der weiß, wie wahr das ist.

Ich persönlich habe Freude an Gesine Palmers Sprache, ihrem Sinn für Bilder (Spatz in der Hand contra Spatz auf dem Dach) und der Doppelbödigkeit, mit der sie Männer zu verstehen versucht, aber zugleich Frauen verstehbar macht.

 

 

 

 

Abgelegt unter Lesenswerte Bücher | Keine Kommentare

Nächste Einträge »